Das Leben kommt zurück ins Schloss Rothestein!

Blick auf Schloss Rothestein

Morbider Charme trifft auf höchste Handwerkskunst: Bald kann das Schloss Rothestein, hoch über Bad Sooden-Allendorf thronend, wieder besucht werden. Foto: Privat

Alexander Djukic und Anika Freund-Djukic kümmern sich um die Wiedereröffnung des Schlosses bei Bad Sooden-Allendorf.

Alten Mauern neuen Atem einhauchen: Schloss Rothestein bald wieder für den Publikumsverkehr geöffnet.

Mit seinen kleinen Erkern, mannshohen Zinnen und detailverliebten Türmchen ist das Ensemble des Schlosses Rothestein die perfekte Foto- & Filmkulisse. Malerisch, oberhalb der Werra gelegen, sieht man es schon – egal aus welcher Richtung kommend – von weitem. Die neugotische Anlage war viele Jahre im Privatbesitz und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Nun wird sich die Rothestein KG unter der Geschäftsführung von Alexander Djukic und Anika Freund-Djukic um die Wiedereröffnung kümmern.

„Unser großes Anliegen ist es, den alten Gemäuern wieder Leben einzuhauchen und das Schloss für den Publikumsverkehr zu öffnen“, erklärt Djukic. Nach umfangreichen Bau- und Modernisierungsarbeiten soll bereits ab der kommenden Saison ein Gastronom gefunden sein, der den kulinarischen Ansprüchen in dem herausragenden Ambiente, mit einem ausgefeilten Konzept, Rechnung trägt. Die Ausschreibung für die Betreibersuche läuft bereits und ist auf der Internetseite www.rothestein.de abrufbar.

Event, Kultur, Tourismus

Das Schlossensemble soll darüber hinaus durch die Rothestein KG zu einem vielfältigen Event-, Kultur- und Tourismuszentrum mit gleichermaßen regionaler, wie überregional ausstrahlender Bedeutung entwickelt werden. Dabei soll die Gastronomie den Rahmen für Erholungssuchende bei Tagesauflügen, Kurzbesuchen und geplanten Führungen bieten. Auch Hochzeiten, Feste, Empfänge und Geburtstage können dann auf dem Schloss gefeiert werden. „Bei guter Resonanz können wir uns auch vorstellen, dass märchenhafte Märkte zu verschiedenen Anlässen, wie beispielsweise Weihnachten, hier ausgerichtet werden“, erklärt Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix. Man strebe ein Alleinstellungsmerkmal an. „Wir wollen nicht einfach „irgendwas“: Der zukünftige Betreiber muss Kreativität und Schlagkraft haben“, so Hix weiter.

Auch Firmen und Dienstleister könnten von der Wiederbelebung des Schlosses profitieren. Nach aktuellen Plänen sollen Räumlichkeiten für Tagungen, Seminare, Kurse und Meetings vorgehalten werden. Das weitläufige Gelände im Innen- und Außenbereich kann darüber hinaus für Messen und Ausstellungen genutzt werden. Auch „Kunst und Kultur“ sollen in den historischen Mauern nicht zu kurz kommen. Neben Ausstellungen heimischer und überregionaler Künstler können Musikund Kleinkunstevents in der Konzertmuschel oder auf dem Schlosshof stattfinden. Darüber hinaus können sich Interessierte auf Foto-, film- und exklusive Lost-Places-Touren freuen.

Lost Places

„Aufgrund des großen Interesses und der vielen Anfragen bietet die Rothestein KG schon in diesem Jahr drei exklusive Lost Places Touren an“, erklärt Anika Freund-Djukic. „In der exklusiven Fototour tauchen die Besucher tief in die Strukturen des zauberhaften Schlosses ein. Sie erkunden die verlassenen Räume der früheren Eigentümer, Festsäle im Dornröschenschlaf und verwunschene Dachböden.

Die alten Gemäuer haben eine faszinierende und wunderschöne Ausstrahlung und sind an einigen Stellen dennoch unheimlich und düster. Die Erscheinung des Schlosses, abseits der prunkvollen Festräume, ist geheimnisvoll und voll morbidem Charme.“, so FreundDjukic weiter. Besonders beeindruckend sei die Unterschiedlichkeit der Zimmer und Säle, die zu den verschiedenen Himmelsrichtungen ausgerichtet sind und die oberen Räume mit Licht durchfluten. „Hier kann man also auch wunderbar mit „Available Light“ fotografieren. Die Hintergründe und Strukturen an den Wänden sind einzigartig schön. Auch die zum Teil historischen, bleiverglasten Fenster und die alten Türen ermöglichen fantastische Lichtspiele.“

Historisches

Laut offizieller Quellen versuchte sich Freiherr von Gilsa mit der Errichtung des Schlosses, auf dem Gelände einer abgegangenen mittelalterlichen Burganlage, ab 1891 seinen Lebenstraum zu erfüllen. Die Pläne für die Anlage stammten von dem Kasseler Architekten Georg Kegel. Der Bau geriet ins Stocken und das im Stil der Neo-Gotik entwickelte Ensemble wurde nach einigen Jahren an den großindustriellen Baron von Knoop aus Manchester verkauft. Dieser vollendete und erweiterte den Bau bis 1911. Wenige Jahre später wurde das Hauptschloss von Freiherrn von Lüninck erworben. In dessen Familie blieb Rothestein bis 1989. Seither wechselten die Eigentümer der Anlage.

 

PERSÖNLICHES ZUM SCHLOSS

 

meinWMK: Sehr geehrte Frau Freund-Djukic, welche Räume oder Gemächer finden Sie im Schloss besonders beeindruckend und warum?

Schloss Rothestein bietet unheimlich viele Räume und Details, die man immer wieder bestaunen kann. Es ist tatsächlich schwierig sich bei dieser immensen Fülle an architektonischer Schönheit und Besonderheit auf einzelne Bereiche festzulegen. Ein Highlight des Schlosses ist natürlich die wunderschöne Eingangshalle mit ihrem gigantischen Kronleuchter und dem prächtigen Bleiglasfenster in Richtung Wald, auf dem zum einen das Schloss mit Baron von Knoop, als auch die Tiere und Pflanzen des Waldes abgebildet sind. Gerade wenn die Morgensonne in dieses bunte Fenster hineinscheint wird man mit einem sagenhaften Farben- und Lichtspiel belohnt. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem zwei sehr unterschiedliche Festsäle, welche beide auf ihre ganz eigene Art und Weise beeindruckend sind und daher auch so beliebt für Hochzeiten waren.

Gibt es auch „dunkle Ecken“, in denen Sie sich gruseln oder vermeintliche Schlossgespenster vermuten?

Zu jedem Schloss gehört natürlich ein Gespenst, so auch zu Rothestein! Wie könnte man sich sonst erklären, dass an einem Donnerstag ein Bild auf dem Boden stand und am nächsten Tag dieses Bild an der Wand hing?! Das war tatsächlich bislang der einzige Moment in dem ich mich wirklich gegruselt habe. Wir gehen davon aus, dass sich jemand unerlaubt Zutritt zum Schloss verschafft hat. Oder es war wirklich das besagte Gespenst.

Düstere Ecken gibt es vor allem in dem riesigen Schlosskeller mit seinen unzähligen Räumen, der selbstverständlich auch ein bisschen gruselig ist, vor allem wenn man das Licht nicht einschaltet. Dort kann man sich schnell verlaufen.

Gibt es Pläne auch Fremdenzimmer, also Übernachtungen auf dem Schloss, anzubieten?

Da Schloss Rothestein mit seinen vielen Zimmern, sowohl im Schloss als auch in der Vorburg zahlreiche Räumlichkeiten bietet und die Kulisse einfach traumhaft schön ist, denken wir darüber nach, perspektivisch ein kleines, aber feines Boutiquehotel auf Schloss Rothestein zu eröffnen. Dort wird es keinen Massentourismus geben mit über 100 Zimmern, wir könnten uns aber sehr gut vorstellen 10-12 individuell zum Stil des Schlosses passende Zimmer für „Schlossherren auf Zeit“ anzubieten. Gerade auch für Hochzeitsgesellschaften und Tagungsgäste wäre dies sicher ein beliebtes Angebot.

Der Bau eines solchen Schlosses wird einst viele Menschen Schweiß und Blut gekostet haben. Auch wenn der „Rothestein“ im Verhältnis zu anderen noch relativ „jung“ ist, waren Maschinen rar und vieles wird in reiner Handarbeit geschaffen worden sein. Wie kann man eine solch großartige Handwerksarbeit wertschätzen und auch künftig würdigen?

Es steht außer Frage, dass auf Schloss Rothestein eine unglaublich große handwerkliche Leistung vollbracht wurde! Dafür sind wir sehr dankbar und freuen uns täglich an den vielen Details. Mit seinen unzähligen architektonischen Einzelheiten findet man immer wieder Neues, an dem man sich erfreuen kann. Ich denke, die meiste Wertschätzung und Anerkennung gegenüber der geleisteten Handwerksarbeit von damals kann man durch die Erhaltung, Belebung und Nutzung des Schlosses zum Ausdruck bringen. Indem wir die Möglichkeit bieten, dass sich möglichst viele Menschen an dem Schloss erfreuen und es nutzen können, kann die Anerkennung für die erbrachte Handwerksleistung außerdem gesteigert werden. Ich denke dies wäre auch im Sinne der damaligen Handwerker gewesen: Menschen, die sich auch noch nach über 130 Jahren am Schloss erfreuen und dafür dankbar sind.