Keine Privatsache: Polizeidirektion Göttingen legt Schwerpunkt auf Bekämpfung häuslicher Gewalt

Zu sehen ist eine gehobene Handfläche zum Selbstschutz.

Häusliche Gewalt hat viele Formen. Foto: Pixabay

Die Zahl der Straftaten im Bereich der häuslichen Gewalt steigt im Bereich der Polizeidirektion Göttingen seit Jahren kontinuierlich an und hat im Jahr 2020 mit mehr als 3300 Fällen den höchsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich erreicht.

Die Bekämpfung der Gewalt im sozialen Nahraum hat deshalb einen hohen Stellenwert in der Polizei und bildet einen besonderen Schwerpunkt in der polizeilichen Arbeit, sagt Gwendolin von der Osten, Präsidentin der Polizeidirektion Göttingen, anlässlich des heutigen (25. November) Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen.

26 Todesopfer 2020 in Niedersachsen

Häusliche Gewalt hat viele Formen: Sie passiert zwischen Menschen, die in einer Ehe, einer Lebenspartnerschaft oder in einer intimen Beziehung zueinanderstehen. Sie umfasst alle Formen physischer, sexueller und psychischer Gewalt und kommt in allen Bildungs- und Einkommensschichten, in allen Altersgruppen, Nationalitäten und Kulturen vor. Gewalt im sozialen Nahraum betrifft dabei nicht nur die direkt Betroffenen - auch beispielsweise Kinder lernen Gewalt als Muster zur Konfliktlösung kennen und werden später nicht selten selbst Opfer. Oder sogar Täter. Häusliche Gewalt kann ein Leben gänzlich zerstören: 2020 wurden allein in Niedersachsen 26 Menschen Opfer tödlicher Partnerschaftsgewalt.

Vor diesem Hintergrund macht Gwendolin von der Osten ganz deutlich: "Häusliche Gewalt ist keine Privatsache, die Eskalationsspiralen sind keine Ehedramen und kein 'Frauenthema'. Häusliche Gewalt ist eine schwere Kriminalitätsform, die es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen gilt." Neben der konsequenten Strafverfolgung sind das auch die Abwehr von Gefahren sowie der Schutz von Opfern. Auch Netzwerke mit zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren sowie verschiedenen Behörden sind von besonderer Bedeutung, um Opfern schnelle Hilfe und effektiven Schutz bieten zu können.

Online-Wache als wichtiges Mittel der Anzeigeerstattung

Ein weiteres wichtiges Angebot, das zudem die Bedeutung digitaler Angebote der Polizei zeigt, ist die Online-Wache. Sie wurde im Zuge der Corona-Pandemie intensiv genutzt: Waren es im Jahr 2019 lediglich 24 Anzeigen im Kontext der häuslichen Gewalt, stieg die Zahl im Corona-Jahr 2020 auf mehr als 100.

"Straftaten im familiären Umfeld werden von uns sehr ernst genommen - damit wollen wir auch das Vertrauen in die Polizei stärken und Opfer motivieren, sich an uns zu wenden. Wir haben die Entwicklung genau im Blick und werden auch künftig einen Schwerpunkt unserer polizeilichen Arbeit auf diesen Bereich legen. Jeder Mensch hat ein Recht auf Respekt, Würde und Unversehrtheit. Es gibt keine Rechtfertigung für Gewalt", sagt Gwendolin von der Osten.

"Sign for help" - Stummer Hilferuf

Anlässlich des heutigen Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen wurde auf den Social Media-Kanälen der Polizeidirektion Göttingen ein Video veröffentlicht, in dem sich die Präsidentin zum Thema äußert und auch das "Sign for help" erläutert, das Opfern eine Möglichkeit bietet, unauffällig Hilfe zu holen. Das Video ist unter folgendem Link zu finden: https://www.facebook.com/polizeidirektion.goettingen