Medien im Wandel der Zeit - Interview mit Ministerpräsident Stephan Weil

(V.li.) Regisseur Jakob Gisik, Mundus-Geschäftsführer Jörg-Christian Bornhoff, Ministerpräsident Stephan Weil, Auszubildende Janne Amend und Medienkauffrau Sinja Nordhausen. Fotos: Marco Mansheimer

(V.li.) Regisseur Jakob Gisik, Mundus-Geschäftsführer Jörg Christian Bornhoff, Ministerpräsident Stephan Weil, Auszubildende Janne Amend und Medienkauffrau Sinja Nordhausen. Fotos: Marco Mansheimer

Am 30. August besuchte Stephan Weil Hann. Münden, wo er unter anderem mit Mundus Marketing & Interactive GmbH ein Interview führte.

Herr Ministerpräsident Stephan Weil, wir sind eine seit zehn Jahren am Mündener Markt ansässige Werbeagentur mit angeschlossenem Verlag. Vor zehn Jahren gründeten wir mehrere regionale Wochenblätter nach dem klassischen, anzeigenfinanzierten Prinzip. Um wettbewerbsfähig zu bleiben und uns einen Marktvorteil zu verschaffen, haben wir vor zwei Jahren vom herkömmlichen Zeitungsformat ins hochwertige Magazinformat gewechselt. Die Magazine werden trotz hoher Produktionsund Verteilkosten haushaltsdeckend verteilt. Damit haben wir in den vergangenen Jahren eine hohe Akzeptanz bei Anzeigenkunden und Lesern gewonnen.

MUNDUS: Wie konsumieren Sie Nachrichten am liebsten? Klassische Zeitung, Magazin, Online-Publikationen, Fernsehen etc.?

MP Weil: Da mein Berufsleben und mein allgemeines Leben weitgehend ineinander übergehen, beginnt bei mir jeder Tag mit Informationsaufnahme. Derzeit steige ich schon frühmorgens ein mit den jüngsten Werten des RKI, dann konzentriere ich mich auf ausgewählte Berichte verschiedener Tageszeitungen. Ich bekomme zudem in der Staatskanzlei mehrmals täglich Presse- und Agenturübersichten sowie Hintergrundinformationen aus der Landesverwaltung. Magazine lese ich, wenn es meine Zeit zulässt und selbstverständlich bin online unterwegs. Mein Medienkonsum endet dann meist mit den späten Tagesthemen.

MUNDUS: Wie nehmen Sie die Veränderungen der Medienlandschaft, insbesondere von den Printmedien hin zu den Onlinepublikationen wahr?

MP Weil: Es ist nicht weniger als eine Revolution, weil das Netz die Dinge an dieser Stelle wirklich auf den Kopf gestellt hat. Medienangebote on demand spielen heute eine wesentliche Rolle. Allerdings haben auch Printprodukte immer noch eine große Bedeutung. Das gilt nicht nur für ältere Menschen. Ob sich gedruckte Medien dauerhaft behaupten können, müssen die Konsumentinnen und Konsumenten entscheiden.

MUNDUS: Von welcher Bedeutung ist die Regionalität von Informationen für den Zeitungsleser? Meinen Sie, dass es dem „Normalbürger“ wichtiger ist, Neues aus seinem Umfeld oder aus der Welt zu erfahren?

MP Weil: Ich glaube, dass die lokalen Medien einen Startvorteil haben. Es gibt unermesslich viele Möglichkeiten, sich über das Weltgeschehen zu informieren, aber nur eine begrenzte Zahl von Angeboten, wenn es um die Situation vor Ort geht. Und deswegen bin ich mir sehr sicher, dass gut gemachte lokale und regionale Medien auch in Zukunft gute Chancen am Markt haben werden.

MUNDUS: Viele Inhalte der Tageszeitungen und auch unserer Magazine werden auf diversen Online-Plattformen und sozialen Kanälen verbreitet. Das sorgt nicht nur für tages- sondern für minutengenaue Aktualität. Gleichzeitig nehmen wir wahr, dass die Aufmerksamkeitsspanne für die einzelnen Artikel und Berichte durch diese Informationsflut nur noch sehr gering ist. Was glauben Sie, wohin führt diese Informationsflut – gerade auch bei unseren Kindern, die sich durch Nachrichten „durchklicken“?

MP Weil: Schnelle, oberflächliche Aufnahme von vielen Informationen führt gerade bei Kindern zu Konzentrationsstörungen. Wenn ich permanent mit unterschiedlichen Angeboten bombardiert werde, und ich mich mit kaum einem Angebot richtig gründlich und intensiv befasse: wie soll ich dann lernen, mich zu konzentrieren? Unter dem Druck der Geschwindigkeit, unter dem die ganzen Netzmedien stehen, besteht darüber hinaus immer auch die Gefahr, dass die Qualität des Journalismus leidet. Wir haben doch ein großes Interesse daran, dass uns Qualitätsjournalismus erhalten bleibt. Und wenn zu viele Menschen sich ausschließlich über Online-Medien informieren, ist damit das Risiko verbunden, dass sie sich in Echokammern bewegen. Wenn jede/jeder nur noch aufnimmt, was sowieso dem eigenen Weltbild entspricht, kann das für eine Demokratie unangenehme Folgen haben. Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger, die einen guten Überblick haben, die kritisch hinterfragen und sich eigene differenzierte Meinungen bilden.

MUNDUS: Würden Sie sich persönlich eine „ruhigere Informations-Welt“ wünschen?

MP Weil: Ja, aber ich weiß, dass das absolut unrealistisch ist. Ereignisse werden in Echtzeit dokumentiert und kommentiert. Es bleibt kaum Zeit, die Geschehnisse gründlich zu analysieren und einzuordnen.

MUNDUS: Welches Medienformat präferieren Sie für das Publizieren Ihrer eigenen politischen Themen?

MP Weil: Meistens haben wir keine Wahl und das ist ja auch ok so: Wir werden gefragt und wir geben Antworten. Wenn es aber um Reichweite geht und um Auflage, ist das klassische Fernsehen nicht zu schlagen. Aber: Vor fünfzehn Jahren hatte ich meine erste Homepage. Seitdem schreibe ich jeden Montag eine Kolumne. Insofern bin ich einer der „ältesten Blogger“. Und Social media bieten gerade für Politiker einen entscheidenden Vorteil: Man kann sich direkt und unmittelbar an viele Menschen wenden – ohne eine Filterung durch Journalistinnen und Journalisten.

MUNDUS: Herzlichen Dank für Ihren Besuch und das freundliche Gespräch.