Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen beinahe mühelos, wenn sich StadtführerInnen in historische Gewandung kleiden und durch die engen Gassen Hann. Mündens schreiten. Genau darin liegt der besondere Reiz der Stadtführergilde: Ihre Rundgänge sind keine klassischen Stadtführungen, sondern lebendige Erzählungen. „Unsere Führungen in Gewandung fügen sich wie selbstverständlich in das historische Stadtbild Mündens ein und sind für unsere Gäste dadurch ein authentisches Erlebnis“, erzählt Marie Anne Langefeld im Interview mit meinMünden.
Storytelling ist dabei kein schmückendes Beiwerk, sondern das Herzstück der Arbeit. Geschichte wird nicht referiert, sondern erzählt. Sie ist nahbar, manchmal humorvoll, immer mit Blick auf die Menschen hinter den Ereignissen. Neue Themen entstehen aus persönlicher Neugier und sorgfältiger Recherche. „Die Themen unserer Führungen entstehen zunächst auf der Grundlage eigener Interessen und anschließend recherchierter Fakten oder geschichtlicher Ereignisse, etwa Gedenktage oder Jubiläen“, erklärt Langefeld. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der Führung „Verwehte Spuren“. Sie führt zu Orten jüdischen Lebens in Hann. Münden, darunter auch zur historischen Mikwe. Der Rundgang ist eindrücklich und bewusst reduziert. Daneben sorgen Märchenführungen mit kurzen Sequenzen aus Grimms Märchen für einen spielerischen Zugang zur Stadtgeschichte und begleiten das Jubiläum „50 Jahre Deutsche Märchenstraße“.
Auch schwierige Kapitel werden nicht ausgeklammert. Mit der Veranstaltung „Blutpfingsten“ erinnert die Stadtführergilde an den Überfall Tillys vor 400 Jahren. Gleichzeitig gibt es Raum für leichtere Formate: „Laternenlicht und schwarzes Bräu“ führt in der Adventszeit mit Nachtwächter und Soldat entlang der Stadtmauer. Neue Führungen setzen zusätzliche Akzente: Fahrende Gaukler, Eisenbarts Ehefrau oder Napoleons Bruder eröffnen ungewohnte Perspektiven auf bekannte Orte. Selbst Kinder werden gezielt angesprochen. „Es gibt so viel Geschichte und Geschichten in Münden. Es lohnt sich, die gewohnten Wege zu verlassen und Bekanntes neu sehen zu lernen“, so die Stadtführergilde.
Am Ende steht ein klares Ziel: „Die Gäste sollen vergnügliche und spannende Stunden verbringen“, sagt Marie Anne Langefeld. Und mehr noch! Die Lust soll geweckt werden, wiederzukommen, mit Zeit im Gepäck und offenem Blick für Stadt und Region.