Der Rittersaal des Welfenschlosses wurde heute Abend zum Resonanzraum für Erinnerungen, Gegenwart und leise Selbstbefragung. Mit dem Auftritt von Ulla Meinecke eröffnete der Mündener Kulturring sein Veranstaltungsjahr, und kaum eine Künstlerin hätte diesen Auftakt persönlicher, klüger und zugleich verletzlicher gestalten können.
„Songs und Geschichten“ lautet der Titel ihres Programms. Das ist eine treffende Beschreibung für einen Abend, der weniger von Dramaturgie als von Haltung lebte. Meinecke trat ohne große Gesten auf, erzählte, reflektierte, sang. Die Lieder kamen nicht als angekündigte Programmpunkte, sondern tauchten wie vertraute Bekannte im Gespräch auf. Klassiker wie „Die Tänzerin“, „50 Tipps, ihn zu verlassen“ oder „Feuer unterm Eis“ streute sie fast beiläufig, kommentarlos in den Abend ein.
Musikalisch getragen wurde der Abend von Reinmar Henschke. Sein zurückhaltendes, fein nuanciertes Spiel ließ den Songs Raum. Es war ein Dialog auf Augenhöhe: Stimme und Instrument, Erinnerung und Jetzt.
Auffällig war die Offenheit, mit der Meinecke neue Lieder präsentierte. Stücke, die in jüngster Zeit entstanden sind, beschäftigen sich deutlich mit dem Älterwerden. Sie wird in diesem Jahr 73 und macht daraus weder ein Geheimnis noch ein Programmthema im klassischen Sinn. Vielmehr erzählte sie mit trockenem Humor von den kleinen Zumutungen des Alltags: von Apps, die sich nicht erklären lassen wollen, von einem neuen Fernseher, der Fragen aufwirft. Mit diesen scheinbar banalen Beobachtungen, stellt sie Nähe her und berührt gleichzeitig eine größere Frage: Wie bleibt man neugierig auf ein Leben, das sich ständig neu erfindet?
Ulla Meinecke zog das Publikum mühelos in ihren Bann, und doch zeigte sie sich nicht unangreifbar. Ihre Stimme ist gealtert, manchmal brüchig, gelegentlich nicht mehr von jener Leichtigkeit früherer Jahre. Es gab Augenblicke, in denen sie schwach wirkte. Aber gerade darin lag ihre Kraft. Jeder Ton war getragen von Lebensgeist, von Willen, von einer spürbaren Liebe zum Dasein. Nichts wurde kaschiert, nichts beschönigt und genau das machte die Intensität aus.