Ein Mann sackt vor dem Supermarkt zusammen, bleibt reglos liegen. Menschen bleiben stehen, jemand greift zum Handy. Was jetzt passiert, entscheidet über Leben und Tod. Und das oft, lange bevor der Rettungswagen da ist.
Genau daran erinnert der Tag der Ersten Hilfe am 12. September. Er rückt eine Fähigkeit in den Mittelpunkt, die entscheidend sein kann: nicht wegsehen, sondern handeln.
Besonders deutlich wird das beim plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Der aktuelle Jahresbericht des Deutschen Reanimationsregisters zeigt: 2025 mussten in Deutschland schätzungsweise mindestens 59.800 Menschen außerhalb eines Krankenhauses reanimiert werden. Mehr als zwei Drittel der Fälle ereigneten sich in Wohnungen, also dort, wo meist Angehörige, Freunde oder Nachbarn zuerst gefragt sind.
An den ausgewerteten Standorten traf das erste Rettungsdienstfahrzeug im Schnitt nach sechs Minuten und 40 Sekunden ein. Minuten, in denen das Gehirn bereits Schaden nehmen kann. Deshalb lautet die einfache Regel: prüfen, rufen, drücken. Reagiert ein Mensch nicht und atmet nicht normal, wird die 112 gewählt und sofort mit der Herzdruckmassage begonnen. 100 bis 120 Kompressionen pro Minute, fünf bis sechs Zentimeter tief.
Immer mehr Menschen greifen ein. 2025 begannen an den Referenzstandorten in 53,5 Prozent der Fälle anwesende Ersthelfer noch vor dem Rettungsdienst mit der Reanimation. Dennoch konnten nur 10,9 Prozent der Betroffenen lebend aus dem Krankenhaus entlassen werden. Die Zahlen zeigen, wie schmal das Zeitfenster ist.
Erste Hilfe heißt aber auch: Starke Blutungen müssen durch direkten Druck gestoppt werden. Bewusstlose Menschen mit normaler Atmung gehören in die stabile Seitenlage. Bei plötzlich auftretenden Lähmungen, Sprachstörungen oder einem hängenden Mundwinkel zählt der schnelle Notruf, denn das sind mögliche Zeichen eines Schlaganfalls.
Der Tag der Ersten Hilfe will deshalb vor allem eines: die Angst vor dem falschen Handgriff nehmen. Denn Nichtstun ist im Notfall meist die schlechtere Entscheidung. Der Rettungsdienst bringt Medikamente und Technik. Die ersten Minuten aber gehören den Menschen, die schon da sind.
INFO:
Der Welttag der Ersten Hilfe findet 2026 am 12. September statt. Der internationale Aktionstag soll dafür sensibilisieren, dass grundlegende Erste-Hilfe-Kenntnisse überall und für jeden Menschen zugänglich sein sollten. 2026 steht er unter dem Motto „First Aid in Migration Contexts“ und richtet den Blick besonders auf Erste Hilfe im Zusammenhang mit Flucht und Migration.