Über 130 Kunstschaffende, mehr als 20 historische Ausstellungsorte und ein bemerkenswerter Gemeinschaftssinn: Das Festival DenkmalKunst – KunstDenkmal hat Hann. Münden neun Tage lang in eine lebendige Kunstlandschaft verwandelt. Veranstalter und Stadt ziehen eine positive Bilanz. Auch die Publikumslieblinge und Preisträger stehen fest.
Kunst hinter alten Fachwerkfassaden, außergewöhnliche Installationen in historischen Gemäuern und Begegnungen an Orten, die sonst häufig verschlossen bleiben: Mit dem Festival DenkmalKunst – KunstDenkmal (DKKD) ist es erneut gelungen, die historische Altstadt von Hann. Münden aus einem anderen Blickwinkel erlebbar zu machen. Vom 3. bis 11. Oktober verwandelte sich die Fachwerkstadt in eine große, dezentrale Galerie. Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Kunst und Stadtgeschichte auf besondere Weise miteinander zu entdecken.
Dabei war es nicht allein die Vielfalt der ausgestellten Werke, die das diesjährige Festival prägte. Vielmehr entwickelte sich DKKD erneut zu einem Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Generationen und Interessen. Zwischen Ausstellungen, Konzerten, Theater und weiteren Kulturveranstaltungen entstanden Gespräche, neue Perspektiven und ein Gemeinschaftsgefühl, das nach Einschätzung der Veranstalter weit über die Festivaltage hinausreichen könnte.
Historische Gebäude werden zu außergewöhnlichen Kunsträumen
Mehr als 130 Künstlerinnen und Künstler präsentierten ihre Arbeiten an über 20 historischen Orten. Das Besondere am Konzept: Die Kunst steht nicht losgelöst von ihrer Umgebung, sondern tritt in einen Dialog mit der Architektur und Geschichte der jeweiligen Gebäude. Alte Fachwerkhäuser, Türme, Keller und weitere historische Räume wurden selbst zum Teil des Kunsterlebnisses.
Von Malerei und Fotografie über Skulpturen bis zu raumgreifenden Installationen reichte die künstlerische Bandbreite. Ergänzt wurde das Ausstellungsprogramm durch Musik, Theater, Kabarett, Lesungen und Workshops. So konnten Besucherinnen und Besucher nicht nur Kunst entdecken, sondern auch Orte kennenlernen, die im gewöhnlichen Stadtalltag kaum zugänglich sind.
Gerade darin liegt eine der besonderen Stärken des Festivals: DKKD macht sichtbar, welches kulturelle und städtebauliche Potenzial in der historischen Altstadt steckt. Gebäude werden für kurze Zeit neu genutzt, vertraute Straßen anders wahrgenommen und Geschichte mit zeitgenössischer Kreativität verbunden.
Das sind die Publikumslieblinge und Preisträger
Zu den Höhepunkten der Abschlussveranstaltung am Sonntag, 11. Oktober, im Rittersaal des Welfenschlosses gehörte die Verleihung der Kunstpreise. Sowohl eine Jury als auch das Publikum hatten ihre Favoriten bestimmt. Den ersten Publikumspreis erhielt Johannes Daniel für seine gefalteten Skulpturen im Hagelturm. Die filigranen Arbeiten überzeugten die Besucherinnen und Besucher besonders. Auf dem zweiten Platz landeten die Filzskulpturen von Stefanie Ehrenfried, die im Künstlerhaus in der Speckstraße ausgestellt waren.
Den ersten Jurypreis gewann Tetyana Zolotopupova mit ihrem Werk „5 pro qm“ im Packhof. Die Arbeit verband künstlerischen Ausdruck mit einem konkreten gesellschaftlichen Anliegen: Im Zusammenhang mit dem Kunstwerk kamen 4.000 Euro an Spenden zusammen, die für die Räumung von Minenfeldern in der Ukraine eingesetzt werden sollen. Der zweite Jurypreis ging an Verena Friedrich für ihre Installation „Von Blei zu Blüten“ im Hagelturm.
Ursprünglich waren lediglich zwei dotierte Auszeichnungen vorgesehen. Der DKKD-Vorstand entschied jedoch, jeweils auch die Zweitplatzierten zu würdigen. Die ersten Plätze erhielten jeweils 1.000 Euro, die zweiten jeweils 500 Euro Preisgeld.
Mehr als 200 Ehrenamtliche machen das Festival möglich
Hinter dem Erfolg steht nicht nur ein umfangreiches Kulturprogramm, sondern auch ein außergewöhnliches Maß an freiwilligem Engagement. Mehr als 200 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer waren während des Festivals im Einsatz.
Sie übernahmen organisatorische Aufgaben, unterstützten an den Veranstaltungsorten und sorgten dafür, dass Künstlerinnen, Künstler und Gäste gut betreut wurden. Hinzu kam die Unterstützung zahlreicher weiterer Beteiligter: So wurden auswärtige Künstler privat untergebracht, die heimische Gastronomie stellte kostenlose Verpflegung für auftretende Künstlerinnen und Künstler bereit, während die Mündener Tafel den Transport der Speisen unterstützte.
Heike Tauer-Schneider aus dem DKKD-Vorstandsteam betont insbesondere das positive Wir-Gefühl, das während der Veranstaltung entstanden sei. Ihre Hoffnung: Dass dieser Zusammenhalt auch nach dem Festival Bestand hat.
Besucherzahlen und Finanzierung: Veranstalter ziehen positive Bilanz
Auch wirtschaftlich zeigen sich die Verantwortlichen zufrieden. Nach Angaben des DKKD-Vorstandes wurden rund 2.000 Dauerkarten verkauft. Damit konnte ein Großteil des verfügbaren Kontingents abgesetzt werden.
Darüber hinaus wurde das angestrebte Spendenziel in Höhe von 45.000 Euro übertroffen. Für die Organisatoren ist dies ein wichtiges Signal, denn ein Kulturereignis dieser Größenordnung ist neben Ticketverkäufen auf finanzielle Unterstützung und zahlreiche freiwillige Leistungen angewiesen. Die endgültigen Besucher- und Einnahmenzahlen stehen allerdings noch aus. Erst nach Abschluss der vollständigen Abrechnung wird feststehen, wie die wirtschaftliche Gesamtbilanz im Detail ausfällt.
Ein Gewinn für Hann. Münden und seine Altstadt
Auch die Stadt Hann. Münden bewertet das Festival ausgesprochen positiv. Bürgermeister Tobias Dannenberg würdigte die kulturelle Vielfalt und insbesondere den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen. Für ihn zeigt DKKD, wie Kunst Menschen miteinander verbinden und zugleich das historische Stadtbild neu erfahrbar machen kann.
„DKKD bringt Menschen zusammen und macht unsere historische Altstadt auf ganz besondere Weise erlebbar“, erklärte Dannenberg. Das Festival sei damit ein Gewinn für die gesamte Stadt. Auch Matthias Biroth, Geschäftsführer der Hann. Münden Marketing GmbH, hob das Potenzial der historischen Gebäude hervor. Durch ihre vorübergehende Nutzung als Galerien, Bühnen und Veranstaltungsräume entstünden besondere Erlebnisse, die andernorts kaum möglich seien. Zugleich verwies er auf die monatelange Vorbereitung und die enorme organisatorische Leistung hinter dem Festival. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Verein DenkmalKunst in Kooperation mit der Hann. Münden Marketing GmbH.
Was vom Festival bleibt
Mit der offiziellen Abschlussveranstaltung vor mehr als 200 Gästen im Welfenschloss ging DKKD 2026 am Sonntag zu Ende. Der zehnjährige Pianist Nevio Bücker begleitete den Abend musikalisch und setzte damit einen weiteren besonderen Akzent. Was bleibt, sind nicht nur die Erinnerungen an ungewöhnliche Kunstwerke, geöffnete Denkmäler und ein vielfältiges Kulturprogramm. Das Festival hat einmal mehr gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn Kunstschaffende, Ehrenamtliche, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und Bürgerinnen und Bürger gemeinsam eine Idee verwirklichen.