Münden. Wer den urigen Plattenladen unweit des Welfenschlosses entdeckt, der bleibt stehen. Angezogen von der sympathischen Atmosphäre zahlreicher bekannter Interpreten von einst und heute, "holen die Leute sich hier ihre Jugend zurück", sagt Inhaber Klaus-Werner Kirbach, zur Motivation seiner Kunden.
Fast jeder kennt Icke
Der 77-Jährige, den wohl (fast) jeder nur "Icke" nennt, übernahm den Laden in der Mündener Marktstraße bereits im September 1974. Vertrag per Handschlag. Heutzutage undenkbar. Doch überhaupt scheinen die Zeiten leerstehenden Einzelhandels, Internet und Co. völlig an Kirbachs Geschäft vorübergezogen zu sein. Jeder Winkel ist ausgenutzt, Platten und CD´s stapeln sich, Kartons und Zettel mit Notizen und Unterschriften allenthalben. Selbst der Geruch im urigen Lädchen ist sympathisch. Mittendrin im Sammelsurium internationaler Künstler steht Icke, beantwortet Fragen, nebenbei bedient er eine Kundin wegen eines Paketes. Früher sei er EMI-Vertreter (ehemalige deutsche Plattenfirma) gewesen, dann lief vieles telefonisch, dann nichts mehr.

Kaum verändert: So dürfte sich der Laden von Icke auch schon vor gut 50 Jahren dargestellt haben. Foto: Ulbrich
Heute läuft vieles nur noch im Internet
Heute bestellen die Kunden online, zahlen an und holen die begehrten Vinylträger dann ab, beschreibt Icke den Wandel der Zeit. Und, warum seiner Meinung nach fast alle anderen Plattenläden "gestorben sind". Gefragt nach seiner schönsten Anekdote könnte er viele Geschichten erzählen. Er lernte Stars damaliger Zeit wie Katja Ebstein, Smokey oder Andi Borg kennen. Erlebte den beschriebenen Wandel veränderter Kundenwünsche und -verhalten. Fuhr tausende Kilometer durch halb Europa für einige besonders begehrte Stücke. Feierte ein vielbeachtetes Jubiläum vor knapp zwei Jahren.
So lange Mick Jagger auftritt, macht er weiter
Um dann doch die Geschichte des Zahnarztes aus Luzern zu präsentieren. Der komme drei bis viermal im Jahr, um seine Schwiegereltern zu besuchen. Und Ickes Plattenladen. In dem es doch eine Neuerung gibt: Einen kleinen, aber feinen Probenraum im fast versteckten Hinterzimmer. Dort kommen seit Ostern die Fans von Vinylplatten und Co. auf ihre Kosten, können ihre Favoriten auf Herz und Nieren testen oder besser hören: "Wer Schallplatten hört, haucht der Musik damit das Leben ein", sagt Icke und bringt damit die Faszination von Vinyl und Co. auf den Punkt.

Eine Neuerung gab es dann doch: Seit Ostern können Fans im Hinterzimmer ihre liebsten Platten hören. Foto: Ulbrich
Wie lange der sympathische Wahl-Mündener den letzten Plattenladen in der Drei-Flüsse-Stadt noch betreiben will, beantwortet er mit einem breiten Grinsen: "Solange Mick Jagger immer noch auftritt, mache ich weiter." Gut möglich, dass Icke in knapp acht Jahren sein 60-Jähriges feiert. Auf seinen Wunsch für die Zukunft angesprochen, hofft das Urgestein "das die Leute am Samstag kostenlos in der Innenstadt parken dürften."
Mehr Infos findet ihr auf www.meineregion365.de