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Stimmen gegen das Vergessen

Zeitzeugeninterview mit dem früheren Mitarbeiter des Grenzzolldienstes Albert Stieglitz im Grenzmuseum Schifflersgrund; Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund, Madlen Beckmann.
Zeitzeugeninterview mit dem früheren Mitarbeiter des Grenzzolldienstes Albert Stieglitz im Grenzmuseum Schifflersgrund; Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund, Madlen Beckmann.

Das Grenzmuseum Schifflersgrund sammelt Zeitzeugenberichte zur innerdeutschen Grenze und bewahrt Erinnerungen an Teilung, Diktatur und Freiheit.

Deutschland ist inzwischen genauso lange vereint, wie es zuvor getrennt war – doch die Erinnerungen an Mauer, Stacheldraht und staatliche Repression verblassen. Die Generation, die die innerdeutsche Grenze noch selbst erlebt hat, wird kleiner. Gleichzeitig wächst eine junge Generation heran, für die die Zeit vor 1989 kaum mehr als ein Kapitel im Schulbuch ist.

Um diesem schleichenden Vergessen entgegenzuwirken, baut das Grenzmuseum Schifflersgrund seit 2020 ein digitales Zeitzeugenarchiv auf. In aufwendig produzierten Videointerviews erzählen Menschen aus der hessisch-thüringischen Grenzregion ihre Lebensgeschichten – offen, persönlich und unverstellt. Ermöglicht wird das Projekt durch eine jährliche Förderung der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, die das Vorhaben auch 2026 im Rahmen des Programms „Zeitzeugenmemorial“ fortsetzt.

Im Mittelpunkt stehen bewusst keine prominenten Namen, sondern die Erfahrungen ganz gewöhnlicher Frauen und Männer: ehemalige DDR-Grenzsoldaten und Bundesgrenzschützer, Flüchtlinge und Fluchthelfer, Bürgerrechtler, Geistliche, Zollbeamte oder Bewohner des Sperrgebiets und des westdeutschen Zonenrandgebiets. Sie berichten vom Alltag im Schatten der Grenze, von Angst und Anpassung, von Mut, Widerstand und stiller Hoffnung.

Bislang sind 54 Interviews mit einer Gesamtlaufzeit von mehr als 77 Stunden entstanden. Jedes Gespräch wird sorgfältig vorbereitet, aufgezeichnet, gesichert und transkribiert. Fotos, Dokumente und persönliche Objekte ergänzen die Berichte und machen die Geschichten greifbar.

Das entstehende Archiv versteht sich als wachsendes Gedächtnis an Teilung, Diktatur und Einheit – und als Mahnung. Denn die Stimmen der Zeitzeugen zeigen eindrucksvoll, dass Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit keine Selbstverständlichkeiten sind. Jede erzählte Lebensgeschichte wird so zu einem Baustein einer lebendigen Erinnerungskultur – und zu einem stillen, aber wirkungsvollen Beitrag gegen das Vergessen. (sw/Grenzmuseum Schifflersgrund)