Nach stundenlangem Kampf gegen die Flammen gibt es am Montagabend eine wichtige Nachricht aus dem Waldgebiet zwischen Lutterberg und Hedemünden: Der Waldbrand ist unter Kontrolle. Vollständige Entwarnung gibt die Feuerwehr allerdings noch nicht. Zahlreiche Glutnester können erneut aufflammen. Mehr als 230 Einsatzkräfte waren zeitweise vor Ort, unterstützt von Spezialfahrzeugen, Löschhubschrauber und Löschflugzeug. Die A7 bleibt vorerst gesperrt.
Der großflächige Waldbrand südwestlich von Hann. Münden ist am Montagabend unter Kontrolle gebracht worden. Das bestätigte Kreisfeuerwehrsprecher Björn Baumgarten. Er führte den Erfolg auf den massiven Einsatz von mehr als 230 Einsatzkräften zurück. Von einer vollständigen Entwarnung könne allerdings noch keine Rede sein: Durch den Wind bestehe weiterhin die Gefahr, dass Glutnester im Waldboden erneut aufflammen.
Auch der NDR bestätigte den neuen Stand am Abend. Ein Einsatzleiter vor Ort teilte dem Sender mit, dass der Brand unter Kontrolle sei. Nach Angaben einer NDR-Reporterin waren zeitweise rund 230 Einsatzkräfte an der Brandstelle tätig.
Aus kleinen Brandherden wird großflächiger Waldbrand
Begonnen hatte der Einsatz wesentlich kleiner. Nach Angaben eines Feuerwehrsprechers wurden zunächst mehrere Brandherde auf einer Fläche von etwa 60 Quadratmetern festgestellt. Starker Wind und das nur schwer erreichbare Gelände sorgten anschließend für eine schnelle Ausbreitung. Der NDR berichtet inzwischen von einer betroffenen Fläche in der Größenordnung von mehr als fünf Fußballfeldern. Zur genauen Größe des Brandgebietes kursierten im Verlauf des Tages allerdings unterschiedliche Angaben.
Kamineffekt am Hang fachte Feuer zusätzlich an
Besonders schwierig gestaltete sich der Einsatz aufgrund der Lage des Brandortes. Nach Angaben der Feuerwehr befindet sich das betroffene Gebiet an einem Hang. Stadtbrandmeister Lutz Hannemann erklärte gegenüber dem NDR, dass dort ein sogenannter Kamineffekt entstand: Die erhitzte Luft zog den Hang hinauf und fachte die Flammen zusätzlich an. Gemeinsam mit dem starken Wind beschleunigte dies die Ausbreitung des Feuers.
Hinzu kam das schwer zugängliche Gelände. Herkömmliche Feuerwehrfahrzeuge konnten deshalb nicht überall unmittelbar an die Brandstellen gelangen.
Spezialkräfte aus Göttingen und Goslar im Einsatz
Im Laufe des Nachmittags wurde der Einsatz immer weiter verstärkt. Nach Angaben des NDR rückten Feuerwehren und Spezialkräfte aus den Landkreisen Göttingen und Goslar an. Für die Waldbrandbekämpfung wurden zudem spezielle geländegängige Einsatzfahrzeuge aus dem Harz angefordert.
Auch der Landkreis Northeim unterstützte die Maßnahmen. Mit Forstfahrzeugen sollten Schneisen angelegt werden, um dem Feuer brennbares Material zu entziehen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Bereits am Nachmittag hatte die Feuerwehr außerdem eine Drohne zur Lageerkundung eingesetzt. Sie sollte den Einsatzkräften einen besseren Überblick über das Brandgebiet und die Ausbreitungsrichtung verschaffen.
Löschhubschrauber und Löschflugzeug unterstützen aus der Luft
Die Dimension des Einsatzes zeigte sich auch in der Unterstützung aus der Luft. Bis zum Einbruch der Dämmerung waren sowohl ein Löschhubschrauber als auch ein Löschflugzeug über dem Brandgebiet im Einsatz.
Mit Beginn der Dunkelheit musste die Brandbekämpfung aus der Luft eingestellt werden. Seitdem unterstützt eine automatische Bewässerungsanlage die Feuerwehr bei den weiteren Löscharbeiten. Ziel ist es insbesondere, Glutnester abzulöschen und ein erneutes Aufflammen zu verhindern.
„Unter Kontrolle“ bedeutet noch nicht „Feuer aus“
Die Meldung vom Montagabend ist damit zwar ein wichtiger Erfolg für die Einsatzkräfte, bedeutet jedoch noch nicht das Ende des Einsatzes. Kreisfeuerwehrsprecher Baumgarten warnte ausdrücklich vor den zahlreichen Glutnestern im Boden. Durch Wind könnten diese erneut angefacht werden.
Die Feuerwehr muss das betroffene Waldgebiet deshalb weiterhin intensiv kontrollieren und nachlöschen. Eine Meldung, wonach der Waldbrand vollständig gelöscht sei, liegt bislang nicht vor.
A7 bleibt weiterhin gesperrt
Auch für Autofahrer gibt es am Abend noch keine Entwarnung. Die A7 zwischen Lutterberg und Hedemünden bleibt weiterhin vollständig gesperrt. Wann die Autobahn wieder für den Verkehr freigegeben werden könne, sei nach Angaben der Polizei noch nicht absehbar.
Die Polizeiinspektion Göttingen hatte zunächst die Fahrtrichtung Kassel ab der Anschlussstelle Hann. Münden-Hedemünden gesperrt. Grund war die erhebliche Rauchentwicklung, durch die eine sichere Befahrung der Autobahn nicht mehr möglich war. Wenig später musste wegen zunehmenden Rauchs auch die Fahrbahn Richtung Hannover geschlossen werden. Der Verkehr in Richtung Norden wurde ab Lutterberg abgeleitet.
Die Polizei appellierte mehrfach an Verkehrsteilnehmer, den gesamten Bereich weiträumig zu umfahren.
Zusätzlicher Lkw-Unfall verschärft Verkehrssituation
Erschwert wird die Lage auf der Autobahn durch einen weiteren Zwischenfall. Vor der Sperrung kam es auf der A7 in Fahrtrichtung Süden zu einem Lkw-Auffahrunfall. Deshalb wird der Verkehr Richtung Süden bereits ab dem Dreieck Drammetal gestoppt. Die Umleitungsstrecken seien nach Polizeiangaben stark überlastet, es komme zu Staus.
Eine Entlastung hatte es am Nachmittag auf der B3 gegeben. Die zuvor aufgrund des Großbrandes auf dem ehemaligen C.-F.-Schröder-Gelände gesperrte Strecke in Neumünden wurde nach Angaben der Polizei Göttingen wieder freigegeben. Damit konnte sie auch für den Umleitungsverkehr von der A7 genutzt werden.
Brandursache weiterhin unklar
Was den Waldbrand am Montagmittag ausgelöst hat, ist weiterhin nicht bekannt. Eine gesicherte Angabe zur Brandursache liegt bislang weder von Feuerwehr noch Polizei vor. Fest steht dagegen: Was zunächst als vergleichsweise kleiner Vegetationsbrand begann, entwickelte sich innerhalb weniger Stunden zu einem Großeinsatz mit mehr als 230 Kräften, Spezialfahrzeugen sowie Unterstützung aus der Luft. Erst am frühen Montagabend gelang es der Feuerwehr, die weitere Ausbreitung des Brandes zu stoppen.
Quellen: HNA unter Berufung auf Kreisfeuerwehrsprecher Björn Baumgarten und die Feuerwehr Hann. Münden; NDR Niedersachsen unter Berufung auf Einsatzleitung, Feuerwehrsprecher und Stadtbrandmeister; offizielle Mitteilungen der Polizeiinspektion Göttingen zur Verkehrslage.