Das Junge Theater Göttingen bringt mit „Doktormutter Faust“ eine zeitgenössische Neuinterpretation des berühmten Faust-Stoffes auf die Bühne. Das Schauspiel von Fatma Aydemir feiert am 10. September Premiere und verbindet den Klassiker mit aktuellen Fragen nach Macht, Begehren, Verantwortung und gesellschaftlicher Polarisierung.
Was wäre, wenn Faust heute eine Frau wäre? Diese Frage steht am Anfang von Fatma Aydemirs Schauspiel „Doktormutter Faust“, das am Donnerstag, 10. September, um 20 Uhr am Jungen Theater Göttingen Premiere feiert. Der bekannte Stoff wird dabei konsequent in die Gegenwart übertragen.
Im Mittelpunkt steht Dr. Margarete Faust, eine gefeierte Professorin und prominente Vertreterin der Gender Studies. Nach einem öffentlichen Skandal gerät sie zunehmend unter Druck. Eine erstarkte politische Rechte nutzt die Situation, um ihre Position anzugreifen und sie aus dem Amt zu drängen. Für Faust gerät damit eine Welt ins Wanken, die bislang von Einfluss, Anerkennung und wissenschaftlichem Erfolg geprägt war.
Inmitten dieser Krise tritt Mephisto auf. Er eröffnet Faust neue Möglichkeiten und lockt mit Freiheit, Lust und Selbstüberschreitung. Gleichzeitig begegnet sie dem jungen Doktoranden Karim. Mit dieser Begegnung verschieben sich vertraute Rollenbilder. Die Frage, wer hier eigentlich wen verführt, wird ebenso wichtig wie die nach den Grenzen zwischen persönlichem Begehren, Macht und Verantwortung.
Aydemir greift damit Motive des klassischen Faust-Stoffes auf und verbindet sie mit aktuellen gesellschaftlichen Konflikten. Im Zentrum stehen Personenkult, politische Polarisierung und die Frage nach einem selbstbestimmten Leben. Zugleich rückt das Stück Geschlechterrollen und Machtverhältnisse in den Blick und überträgt die bekannten Figurenkonstellationen auf die Gegenwart.
Inszeniert wird „Doktormutter Faust“ von Angelika Zacek, die zugleich für die Bühne verantwortlich ist. Die Kostüme stammen von Julia Klug. Auf der Bühne stehen Kristin Becker, Fynn Knorr, Malin Kraft, Marie-Luise Kuntze, Joel Kito Salvatore und Jens Tramsen.
Für Zacek ist die Produktion zugleich Teil ihrer ersten Spielzeit als Intendantin des Jungen Theaters Göttingen. Die 1971 in Wien geborene Regisseurin arbeitet seit 2001 an deutschsprachigen Schauspiel- und Opernbühnen. Seit der Spielzeit 2026/27 leitet sie das JT.
Autorin Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren und wurde vor allem mit ihren Romanen „Ellbogen“ und „Dschinns“ bekannt. In ihren Arbeiten setzt sie sich immer wieder mit Migration, Familie und gesellschaftlichen Konflikten auseinander. Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin arbeitete sie journalistisch unter anderem für die taz und ist seit 2023 Kolumnistin der europäischen Ausgabe des Guardian.
Nach der Premiere am 10. September sind weitere Vorstellungen am 12., 18. und 30. September sowie am 16. und 23. Oktober geplant. Gespielt wird im Jungen Theater Göttingen in der Bürgerstraße 15.
Weitere Infos und Karten: https://www.junges-theater.de/