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Der Oberbürgermeisterkandidat der SPD Dr. Florian Dinger im Interview

Dr. Florian Dinger tritt für die SPD als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Göttingen im September 2026. Foto SPD
Dr. Florian Dinger tritt für die SPD als Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Göttingen im September 2026. Foto SPD

Herr Dr. Dinger, Sie sind Schulleiter der IGS Bovenden. Wie prägt Ihre tägliche Arbeit mit jungen Menschen und Lehrkräften Ihr politisches Verständnis? 

Dr. Florian Dinger: Als Schulleiter erlebe ich jeden Tag, dass gute Entscheidungen mit Zuhören beginnen und dann auch verlässlich getroffen werden müssen. Diese Haltung: zuhören, abwägen, entscheiden und Verantwortung für die Umsetzung übernehmen, will ich genauso ins Rathaus tragen. Dass solches Handeln im Team zu großen Erfolgen führen kann, können Sie an den Arbeitsergebnissen unserer Schulgemeinschaft ablesen.

Sie wollen Oberbürgermeister der Stadt Göttingen werden. Welche Erfahrungen aus dem Bildungssystem möchten Sie konkret in die Stadtpolitik einbringen?

Dr. Florian Dinger: Ich habe eine große Schule erfolgreich geführt und weiß, wie man komplexe Strukturen in Bewegung bringt, ohne die Menschen zu überfordern. Diese Führungserfahrung will ich nutzen, damit auch die Stadtverwaltung verlässlich, zugewandt und lösungsorientiert für die Bürgerinnen und Bürger arbeitet.

Sie gelten als Kandidat mit starkem Fokus auf Bildung und Chancengleichheit. Was bedeutet das konkret für die Stadt Göttingen?

Dr. Florian Dinger: Jedes Kind soll in Göttingen gut aufwachsen können, unabhängig vom Stadtteil oder der Geschichte der eigenen Familie. Konkret heißt das: verlässliche Kitas, starke Grundschulen im Ganztag und schnelle Hilfe für Familien, bevor aus Sorgen echte Krisen werden. Aber auch eine gute Erwachsenenbildung und der Blick auf unsere Seniorinnen und Senioren sind mir in diesem Zusammenhang wichtig.

Wie bewerten Sie den Zustand der Göttinger Schulen?

Dr. Florian Dinger: Unsere Schulen leisten Großartiges, kämpfen aber vielerorts mit Sanierungsbedarf und stehen bei Sprachförderung, dem Ganztag speziell an Grundschulen und im Bereich Inklusion unter Druck. Die für die nächsten Jahre geplanten Schulsanierungen werde ich deshalb umsetzen und wo möglich beschleunigen. Insgesamt will ich die Stadt zu einem verlässlichen Partner der Schulen entwickeln.

Welche Priorität hat für Sie die Sanierung und Modernisierung von Schulen im Vergleich zu anderen Investitionen?

Dr. Florian Dinger: Gute Schulen bilden die Grundlage für die Zukunft unserer Stadtgesellschaft. Deshalb haben ihre Sanierung und der barrierefreie Umbau für mich hohe Priorität. Damit es schneller geht, will ich die Städtische Wohnungsbau so stärken, dass sie künftig auch öffentliche Gebäude wie Schulen bauen kann, allerdings ohne, dass der Wohnungsbau darunter leidet.

Die Digitalisierung ist ein zentrales Thema. Wo sehen Sie Göttingen aktuell, und wo besteht dringend Handlungsbedarf?

Dr. Florian Dinger: Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sie muss den Alltag und den Unterricht wirklich besser machen. Dringenden Handlungsbedarf sehe ich bei der Stadtverwaltung. Hier müssen wir mit der Digitalisierung zu Arbeitserleichterungen für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen kommen und damit den Service für die Bürgerinnen und Bürger verbessern. Wichtig ist mir dabei: Niemand darf beim digitalen Wandel abgehängt werden, deshalb müssen analoge Wege ins Rathaus selbstverständlich erhalten bleiben.

Viele junge Menschen verlassen Göttingen nach Schule oder Studium. Wie wollen Sie die Stadt für diese Zielgruppe attraktiver machen?

Dr. Florian Dinger: Junge Menschen bleiben dort, wo sie bezahlbar wohnen, gute Arbeit und Chancen vorfinden und sich wohlfühlen. Deshalb will ich mehr bezahlbares Wohnen, gute Jobs z.B. durch den Ausbau des Life-Science-Bereiches mit Forschung, Unternehmensgründungen und -entwicklung und eine lebendige Innenstadt mit einer Kultur, von der die ganze Stadt profitiert.

Sie kommen nicht aus der klassischen Verwaltungslaufbahn. Sehen Sie das eher als Vorteil oder als Herausforderung für das Amt des Oberbürgermeisters?

Dr. Florian Dinger: Ich bin kein Berufspolitiker, sondern komme mit Führungserfahrung und einem frischen Blick von außen. Das sehe ich als klaren Vorteil. Als dreifacher Vater und Gesamtschuldirektor kenne ich den Alltag der Menschen, scheue auch komplizierte Entscheidungen nicht und habe im Unterschied zu meinen Mitbewerbern bereits in einem großen System nachgewiesen: ich kann gestalten und nicht nur verwalten.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben – und wie lässt sich dieser auf eine große Stadtverwaltung übertragen?

Dr. Florian Dinger: Mein Führungsstil lässt sich mit vier Begriffen beschreiben: zuhören, entscheiden, erklären und umsetzen. Gute Führung bedeutet für mich, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, dann aber klare Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Genau dafür steht auch mein Göttingen-Plan: eine Verwaltung, die ermöglicht statt bremst – mit klaren Zielen, kurzen Wegen und einer Kultur, in der Ergebnisse zählen.

Die Stadt Göttingen steht vor erheblichen finanziellen Problemen. Wie wollen Sie Haushaltsdisziplin mit notwendigen Investitionen vereinbaren?

Dr. Florian Dinger: Ich verspreche nur, was ich halten kann: Prioritäten setzen, jeden Euro verantwortungsvoll einsetzen und trotzdem dort investieren, wo es für die Menschen wirklich zählt, besonders in die alltagsrelevante Infrastruktur und die Bildung der nächsten Generation. Klar ist aber auch: Allein gesundsparen können wir uns nicht, deshalb werde ich beharrlich dafür kämpfen, dass Land und Bund die Kommunen endlich auskömmlich finanzieren.

Welche konkreten Maßnahmen schlagen Sie vor, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren?

Dr. Florian Dinger: Alleine wird Göttingen das nicht schaffen. Gemeinsam mit Bund und Land will ich erreichen, dass auf anderer Ebene beschlossene Maßnahmen von dieser auch bezahlt werden. So entlasten wir den Haushalt strukturell. Zudem will ich ein zentrales Fördermittelmanagement aufbauen, das Millionen aus EU-, Bundes- und Landestöpfen nach Göttingen holt, und durch konsequente Digitalisierung auch in der Verwaltung die Kosten senken. Hinzu kommen ein sorgsamer Umgang mit jedem Euro und eine verlässlich-partnerschaftliche Unterstützung unserer Wirtschaft vor Ort, um auch die Einnahmen spürbar zu erhöhen.

Bezahlbarer Wohnraum ist eines der drängendsten Themen. Welche Lösungen sehen Sie, um den Wohnungsmarkt zu entlasten?

Dr. Florian Dinger: Wohnen darf in Göttingen kein Luxus sein. Ich will die Städtische Wohnungsbau und unsere Genossenschaften schnell in die Lage versetzen, mehr dauerhaft bezahlbare Wohnungen zu bauen. Gezielt sollen von diesen Vermietern altersgerechte und barrierefreie Wohnungen mit mehr Tempo gebaut werden.

Wie wollen Sie den Spagat zwischen Klimaschutz, Stadtentwicklung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit meistern?

Dr. Florian Dinger: Diese Ziele dürfen wir nicht gegeneinander ausspielen, sie gehören zusammen. Klimaschutz muss im Alltag funktionieren und bezahlbar bleiben, mit guter Beratung und praktikablen Lösungen statt Zwang und Verboten. So machen wir Göttingen enkeltauglich, ohne jemanden zu überfordern.

Als Schulleiter sind Sie gewohnt zu vermitteln und Konflikte zu moderieren. Wie möchten Sie diese Fähigkeiten in der politischen Auseinandersetzung nutzen?

Dr. Florian Dinger: Als Direktor einer starken Schule bringe ich täglich unterschiedlichste Interessen unter einen Hut, genau das braucht auch die Politik. Ich will zusammenführen statt spalten: erst zuhören, dann gemeinsam tragfähige Lösungen finden. Auch komplizierte Entscheidungen, die möglicherweise nicht immer allen gleich gut gefallen, werde ich zudem immer so erklären, dass die Gründe von allen Menschen nachvollzogen werden können.

Öffentliche Debatten sind oft stark polarisiert. Wie wollen Sie Vertrauen in politische Entscheidungen stärken?

Dr. Florian Dinger: Vertrauen entsteht, wenn Politik verlässlich liefert und Entscheidungen offen erklärt. Deshalb will ich nachvollziehbar begründen, was wir tun, die Menschen in den Stadtteilen wirklich einbeziehen und ihnen regelmäßig zurückmelden, was aus ihren Anliegen geworden ist.

Was motiviert Sie persönlich, den Schritt aus der Schule in die Kommunalpolitik zu gehen?

Göttingen ist seit über zwanzig Jahren meine Heimat. Hier sind unsere Kinder geboren, hier durfte ich als Dozent und Schulleiter erleben, wie entscheidend gute Bildung, verlässliche Nachbarschaften und echte Chancen für ein gelingendes Leben sind. Genau das verstehe ich unter sozialer Gerechtigkeit: dass Herkunft nicht über Zukunft entscheidet und Menschen sich auf ihre Stadt verlassen können. Als Pfarrerskind und später bei der Marine habe ich außerdem früh gelernt: Verantwortung bedeutet, die eigenen Stärken dort einzusetzen, wo sie gebraucht werden. Deshalb werde ich mich nicht wegducken, wenn ich überzeugt bin, dass ich für meine Heimatstadt etwas bewegen kann.

Welche Lehren ziehen Sie aus bisherigen Wahlkämpfen in Göttingen und der aktuellen politischen Stimmung in der Stadt?

Dr. Florian Dinger: Mir fehlt in Göttingen oft die Debatte über die eigentliche Richtung: Wo wollen wir als Stadt in zehn oder zwanzig Jahren stehen? Ohne ein gemeinsames Zukunftsbild verliert sich Politik schnell in Einzelfragen und endlosen Diskussionen. Genau deshalb habe ich den Göttingen-Plan entwickelt: als langfristige Orientierung mit klaren Prioritäten. Wer weiß, wohin er will, trifft auch im Alltag bessere und schnellere Entscheidungen. Gleichzeitig erlebe ich Göttingen als eine demokratische, weltoffene Stadt. Darauf können wir aufbauen, aber mit deutlich mehr Zuversicht und einem klaren Gestaltungswillen.

Wo sehen Sie Göttingen in zehn Jahren – und welchen Beitrag möchten Sie als Oberbürgermeister dazu leisten?

Dr. Florian Dinger: Ich wünsche mir ein Göttingen, das in zehn Jahren als eine der lebenswertesten Städte Deutschlands gilt: wirtschaftlich stark, wissenschaftlich führend, klima- und besonders familienfreundlich. Eine Stadt, die moderat wächst, weil Menschen gerne hier leben und Unternehmen gerne hier investieren. Als Oberbürgermeister möchte ich dafür mit einer klaren und langfristigen Strategie sowie einer großen Portion Optimismus die Voraussetzungen schaffen.

Was unterscheidet Sie inhaltlich und persönlich von anderen Kandidierenden?

Dr. Florian Dinger: Ich verbinde echte Führungserfahrung aus einer großen Einrichtung mit viel Bodenhaftung und einem frischen Blick von außen. Und ich verspreche nichts, was ich nicht halten kann: verlässlich statt vage, mit einem klaren Plan bis 2040 und dem Mut, notwendige Entscheidungen zu treffen und konsequent umzusetzen.