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Entscheidung um das Landratsamt fällt am Sonntag

Am Sonntag, 27. September, entscheidet sich, wer künftig an der Spitze des Landkreises Göttingen steht: Dr. Ulrike Witt (SPD) und Harm Adam (CDU) treten in der Stichwahl um das Landratsamt gegeneinander an. Fotocollage: Schäfer
Am Sonntag, 27. September, entscheidet sich, wer künftig an der Spitze des Landkreises Göttingen steht: Dr. Ulrike Witt (SPD) und Harm Adam (CDU) treten in der Stichwahl um das Landratsamt gegeneinander an. Fotocollage: Schäfer

Am 27. September fällt die Entscheidung im Landkreis Göttingen: Dr. Ulrike Witt (SPD) und Harm Adam (CDU) treten in der Stichwahl um das Landratsamt an.

Zwei Wochen nach der Kommunalwahl fällt am kommenden Sonntag, 27. September, die Entscheidung darüber, wer den Landkreis Göttingen künftig an seiner Spitze vertreten und die Kreisverwaltung führen wird. In der Stichwahl stehen sich Dr. Ulrike Witt von der SPD und Harm Adam von der CDU gegenüber. Beide hatten sich im ersten Wahlgang am 13. September gegen fünf weitere Bewerberinnen und Bewerber durchgesetzt, die für einen direkten Wahlsieg notwendige absolute Mehrheit aber deutlich verfehlt. Die Wahllokale sind am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die neue Amtszeit beginnt am 1. November und dauert acht Jahre.


Der erste Wahlgang hatte ein enges Ergebnis gebracht. Witt erhielt nach Feststellung des Kreiswahlausschusses 39.784 Stimmen und damit 25,28 Prozent. Adam kam auf 36.889 Stimmen beziehungsweise 23,44 Prozent. Der Abstand zwischen beiden betrug damit lediglich 2.895 Stimmen. Dahinter folgten Pippa Schneider von den Grünen mit rund 17,3 Prozent und der bisherige Landrat Marcel Riethig, der für die Bürgergemeinschaft Landkreis Göttingen angetreten war, mit rund 14,8 Prozent. Nina Lauterbach von der Linken erreichte 10,3 Prozent, Harald Wegener von der WLG 4,7 Prozent und Till Jonas Hampe von Volt 4,1 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 63,5 Prozent.

Damit startet keiner der beiden verbliebenen Kandidaten mit einer Mehrheit aus dem ersten Wahlgang in die Entscheidung. Mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen entfiel am 13. September auf andere Bewerberinnen und Bewerber. Für Witt und Adam ging es in den letzten Tagen des Wahlkampfes deshalb auch darum, Wähler zu erreichen, die sich vor zwei Wochen noch für eine andere Kandidatur entschieden hatten.


Zwei unterschiedliche berufliche Profile

Dr. Ulrike Witt bringt vor allem langjährige Erfahrung aus Verwaltung und Regionalentwicklung mit. Die promovierte Historikerin lebt seit vielen Jahren in Göttingen und leitet seit 2020 als Landesbeauftragte das Amt für regionale Landesentwicklung Braunschweig. Zuvor war sie unter anderem Leiterin des Projektbüros Südniedersachsen und arbeitete im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur sowie an der Universität Göttingen. In ihrem Wahlkampf stellt sie insbesondere ihre Erfahrung an der Schnittstelle von Verwaltung, Politik, Wissenschaft und regionaler Entwicklung heraus.

Harm Adam ist Jurist und Fachanwalt für Insolvenzrecht. Der 1963 geborene CDU-Politiker arbeitet seit 1996 als Rechtsanwalt und ist geschäftsführender Partner einer Göttinger Kanzlei. Kommunalpolitisch ist er seit vielen Jahren im Landkreis aktiv. Er gehört dem Kreistag seit 2006 an, ist Vorsitzender der CDU-Gemeinderatsfraktion in Bovenden, erster stellvertretender Gemeindebürgermeister und finanzpolitischer Sprecher der CDU-Kreistagsfraktion. Adam verweist im Wahlkampf insbesondere auf seine Erfahrungen in Finanzfragen, Kommunalpolitik und Unternehmensberatung im Rahmen seiner anwaltlichen Tätigkeit.


Verwaltung und Vertrauen als gemeinsames Thema

Auffällig ist, dass sich die Wahlprogramme beider Kandidaten in einigen grundsätzlichen Fragen durchaus ähneln. Sowohl Witt als auch Adam stellen eine verlässlich arbeitende und bürgernahe Kreisverwaltung in den Mittelpunkt. Beide sprechen von klaren Entscheidungen, funktionierenden Verwaltungsabläufen und einer besseren Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden.

Witt formuliert das Ziel eines „Problemlöser-Landkreises“. Sie will Verwaltungsverfahren stärker aus Sicht der Bürger betrachten, Digitalisierung vorantreiben und Entscheidungswege nachvollziehbarer machen. Zu ihren acht Leitprojekten gehören unter anderem Wirtschaft und Verwaltung, Digitalisierung, Katastrophenschutz, Demokratie, Pflege, Bildung, Klimaschutz und der Umgang mit dem demografischen Wandel. Für einzelne Bereiche kündigt sie konkrete erste Schritte nach einem möglichen Amtsantritt an.

Adam setzt ebenfalls auf eine Neuorientierung der Verwaltung, verbindet diese aber stärker mit Haushalts- und Strukturfragen. Zu seinen Schwerpunkten zählen solide Finanzen, schnellere Genehmigungsverfahren, eine stärkere Serviceorientierung der Verwaltung, Wirtschaftsförderung sowie klare Zuständigkeiten innerhalb des Kreishauses. Bei Investitionen fordert er nach eigenen Angaben eine stärkere Priorisierung und ein konsequentes Kosten- und Projektcontrolling.


Wer das Amt übernimmt, muss Mehrheiten organisieren

Die Stichwahl entscheidet zwar direkt über die Person an der Verwaltungsspitze, nicht aber über die politischen Mehrheiten im Kreistag. Auch dieser wurde am 13. September neu gewählt. SPD und CDU kommen dort nach dem Wahlergebnis jeweils auf 17 der 66 Sitze; dahinter folgen unter anderem die Grünen. Damit wird weder Witt noch Adam im Kreistag auf eine eigene Mehrheit ihrer Partei zurückgreifen können. Zusammenarbeit und die Suche nach Mehrheiten für einzelne Vorhaben werden deshalb unabhängig vom Wahlausgang eine wesentliche Rolle spielen.

Eine geschlossene Übertragung der Stimmen ausgeschiedener Kandidaten auf einen der beiden Bewerber lässt sich vor der Stichwahl nicht ableiten. So entschied sich etwa der Kreisvorstand der Grünen nach dem Ausscheiden seiner Kandidatin Pippa Schneider, keine Wahlempfehlung für Witt oder Adam auszusprechen. Schneider hatte im ersten Wahlgang 17,3 Prozent erreicht. Ihre damaligen Wähler bilden damit eine große Gruppe, um deren Unterstützung beide Kandidaten werben konnten.


Die Stichwahl

Am Sonntag reicht in der Stichwahl nun die einfache Mehrheit: Von den beiden verbliebenen Kandidaten gewinnt, wer mehr Stimmen erhält. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Das endgültige Ergebnis soll anschließend vom Kreiswahlausschuss festgestellt werden; dafür ist eine öffentliche Sitzung am Dienstag, 29. September, im Göttinger Kreishaus vorgesehen.