Onyeka Oshionwu von Bündnis 90/Die Grünen hat bei der Oberbürgermeisterwahl in Göttingen einen deutlichen politischen Erfolg erzielt. Mit ihrem starken Ergebnis zieht sie gemeinsam mit Ehsan Kangarani von der CDU in die Stichwahl am 27. September 2026 ein. Die Entscheidung darüber, wer künftig an der Spitze des Göttinger Rathauses steht, fällt damit erst im zweiten Wahlgang.
Oshionwu setzte sich im ersten Wahlgang mit 41,48 Prozent klar vor mehreren Mitbewerbern durch und verschaffte sich damit eine gute Ausgangsposition für die Stichwahl. Neben ihr waren Florian Dinger von der SPD (21,27 Prozent), Ehsan Kangarani von der CDU (27,72 Prozent) und Thomas Goes von der Linken (9,18 Prozent) angetreten. Dass Oshionwu nun mit deutlichem Rückenwind in die entscheidende Stichwahl geht, ist für die Göttinger Grünen ein beachtlicher Erfolg. Entsprechend ausgelassen war die Stimmung bei der Wahlparty. "Ich hoffe, habt alle ein bisschen für Euch selber geklatscht. Denn der Erfolg gebührt Euch allen gemeinsam", sagte Onyeka Oshionwu.

Im Wahlkampf hatte sich die Grünen-Kandidatin insbesondere durch eine intensive Vorbereitung auf das Amt der Oberbürgermeisterin profiliert. In öffentlichen Auftritten, Diskussionsveranstaltungen und Gesprächen zu kommunalpolitischen Themen vermittelte sie den Anspruch, sich detailliert mit den Herausforderungen der Stadt auseinandergesetzt zu haben. Dabei standen nicht nur klassische grüne Themen wie Klimaschutz und Verkehr im Mittelpunkt, sondern ebenso die angespannte Haushaltslage, bezahlbarer Wohnraum, die Zukunft der Innenstadt, Schulen sowie die Frage, wie Verwaltung und Stadtgesellschaft künftig enger zusammenarbeiten können.

Gerade diese breite thematische Aufstellung dürfte zu ihrem Erfolg im ersten Wahlgang beigetragen haben. Oshionwu präsentierte sich im Wahlkampf nicht allein als Vertreterin ihrer Partei, sondern als Kandidatin für ein Amt, das politische Führung, Verwaltungskenntnis und die Fähigkeit zum Ausgleich unterschiedlicher Interessen verlangt. Ihre Kampagne zielte erkennbar darauf, den Wählerinnen und Wählern den Eindruck zu vermitteln, dass sie sich auf die konkreten Aufgaben im Rathaus vorbereitet habe.
Dabei konnte sie auf ihre kommunalpolitische Erfahrung aufbauen. Die gebürtige Göttingerin ist seit mehreren Jahren in der Stadtpolitik aktiv und war vor ihrer Kandidatur ehrenamtliche Bürgermeisterin. Die Göttinger Grünen hatten sie bereits im Dezember 2025 einstimmig als Oberbürgermeisterkandidatin aufgestellt. Unterstützung erhielt sie im Wahlkampf zudem über die eigene Partei hinaus.
Der Erfolg im ersten Wahlgang zeigt zugleich, dass Oshionwu offenbar Wählerinnen und Wähler über das klassische grüne Umfeld hinaus erreichen konnte. Für die Grünen ist dies politisch besonders bedeutsam: Eine Oberbürgermeisterwahl wird stärker als viele andere kommunale Wahlen auch über die Persönlichkeit, die Kompetenz und das Vertrauen in die jeweilige Kandidatin oder den jeweiligen Kandidaten entschieden.
Entschieden ist die Wahl jedoch noch nicht. Am 27. September kommt es zur Stichwahl zwischen Onyeka Oshionwu und Ehsan Kangarani. Damit beginnt nun eine zweite, vermutlich noch intensivere Phase des Wahlkampfes. Beide Kandidierenden müssen in den kommenden zwei Wochen nicht nur ihre bisherigen Unterstützer mobilisieren, sondern insbesondere jene Wählerinnen und Wähler überzeugen, deren bevorzugte Kandidaten im ersten Wahlgang ausgeschieden sind.
Für Oshionwu dürfte es dabei darum gehen, den Schwung ihres starken ersten Ergebnisses mitzunehmen und ihre inhaltliche Vorbereitung noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig muss sie deutlich machen, wie sie als Oberbürgermeisterin auch jenseits parteipolitischer Grenzen Mehrheiten organisieren und die unterschiedlichen Interessen innerhalb der Stadt zusammenführen will.
Die Ausgangslage für die Stichwahl ist klar: Onyeka Oshionwu hat den ersten Wahlgang politisch für sich entschieden – das Amt selbst ist aber noch nicht gewonnen. Ihr deutlicher Vorsprung ist ein starkes Signal und bestätigt eine Wahlkampfstrategie, in der sie sich als gut vorbereitete und thematisch breit aufgestellte Bewerberin für das höchste kommunale Amt der Stadt präsentiert hat. Ob dieser Vorsprung am 27. September für den Einzug ins Neue Rathaus als Oberbürgermeisterin reicht, entscheiden nun die Göttingerinnen und Göttinger.