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Zum Tod von Rita Süssmuth aus Göttingen – eine politische Verbindung über Jahrzehnte

Rita Süssmuth im Deutschen Bundestag. Fotos: Achim Melde, Deutscher Bundestag
Rita Süssmuth im Deutschen Bundestag. Fotos: Achim Melde, Deutscher Bundestag

Rita Süssmuth gehörte über viele Jahre zu den bekanntesten politischen Persönlichkeiten, die eng mit Göttingen verbunden waren. Die CDU‑Politikerin, die am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren gestorben ist, vertrat die Stadt und den Wahlkreis Göttingen über lange Zeit im Deutschen Bundestag und blieb der Universitätsstadt auch darüber hinaus verbunden. 

Süssmuth kandidierte 1987 erstmals im Bundestagswahlkreis Göttingen und gewann das Direktmandat mehrfach. Insgesamt gehörte sie dem Bundestag von 1987 bis 2002 an und war damit eine der prägenden parlamentarischen Stimmen aus Südniedersachsen auf Bundesebene.   

Während dieser Zeit war sie nicht nur Abgeordnete, sondern zugleich eine der wichtigsten Repräsentantinnen des Parlaments: Von 1988 bis 1998 amtierte sie als Präsidentin des Deutschen Bundestages – als zweite Frau überhaupt in diesem protokollarisch zweithöchsten Staatsamt. 


Auch jenseits des Bundestagsmandats blieb Göttingen für Rita Süssmuth ein bedeutender Ort. 2016 ehrte die Georg‑August‑Universität Göttingen sie mit der Dorothea‑Schlözer‑Medaille. Mit dieser Auszeichnung würdigte die Universität Süssmuths Einsatz für Wissenschaft und Forschung sowie ihr langjähriges Engagement für die Gleichstellung von Frauen, insbesondere im Hochschulbereich. Die Verleihung fand im Rahmen des Jahresempfangs der Universität in der Alten Mensa statt. 

Bundesweit wurde Rita Süssmuth vor allem als streitbare, eigenständige Politikerin wahrgenommen. Als **Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit** (ab 1986 zusätzlich für Frauen) setzte sie in den 1980er‑Jahren neue Akzente, unter anderem in der Aids‑Politik, wo sie früh auf Aufklärung statt Ausgrenzung setzte.  Als Bundestagspräsidentin leitete sie das Parlament durch die Jahre der deutschen Einheit und verstand den Bundestag als „Werkstatt der Demokratie“. Für Göttingen bleibt Rita Süssmuth vor allem als langjährige Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises und als von der Universität hoch geehrte Persönlichkeit in Erinnerung – eine Politikerin, deren Wirken weit über die Stadt hinausstrahlte, die aber hier einen festen politischen Anker hatte.

Nach ihrem Tod würdigten politische Weggefährten Süssmuth parteiübergreifend als eine der prägenden Figuren der Bundesrepublik. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner bezeichnete sie als „eine der bedeutendsten Politikerinnen“ des Landes, Bundeskanzler Friedrich Merz hob ihren Einsatz für eine offene und tolerante Gesellschaft hervor. Auch der Göttinger CDU Abgeordnete Fritz Güntzler erklärte in einem Nachruf: 

"Mit großer Dankbarkeit und tiefem Respekt nehmen wir Abschied von Rita Süssmuth, einer herausragenden Persönlichkeit der Christlich-Demokratischen Union und einer der prägenden Frauen der deutschen Nachkriegspolitik. Rita Süssmuth war weit mehr als eine Mandatsträgerin oder Amtsträgerin – sie war eine politische Gestalterin mit Haltung, Mut und Weitblick. Als Bundestagspräsidentin, Bundesministerin, Wissenschaftlerin und überzeugte Christdemokratin hat sie die politische Kultur unseres Landes nachhaltig geprägt. Sie hat Brücken gebaut, Debatten angestoßen und dabei stets den Menschen in den Mittelpunkt ihres Handelns gestellt.

Besonders eng verbunden war Rita Süssmuth auch mit unserer Region Göttingen, die sie über viele Jahre als Bundestagsabgeordnete vertreten hat. Von 1987 bis 2002 war sie für unsere Region Mitglied des Bundestages. 1987, 1990 und 1994 gewann sie das Direktmandat. Sie war eine Wahlkreisabgeordnete, die Präsenz zeigte – bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern, in Vereinen, Institutionen, Kirchen und an den Hochschulen. Göttingen war für sie kein bloßer Wahlkreis, sondern ein Lebens- und Gestaltungsraum, dessen wissenschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt sie schätzte und förderte.

Mit ihrem Einsatz für Bildung, Forschung, Gleichberechtigung und gesellschaftlichen Zusammenhalt hat Rita Süssmuth auch im Wahlkreis bleibende Spuren hinterlassen. Sie verstand es, lokale Anliegen mit bundespolitischer Verantwortung zu verbinden und unserer Region in Berlin Gehör zu verschaffen. Viele Projekte, Initiativen und persönliche Begegnungen zeugen bis heute von dieser engen Verbundenheit. Zu ihren großen Erfolgen gehörten unter anderem der ICE-Halt in Göttingen, aber auch der Ausbau der Bundespolizei in Duderstadt.

 Für die CDU war Rita Süssmuth eine Stimme des Gewissens und der Erneuerung. Sie hat gezeigt, dass christdemokratische Politik offen, wertegebunden und zugleich zukunftsorientiert sein kann. Ihr Einsatz für Frauen in der Politik, für Dialog und für eine humane Gesellschaft wirkt bis heute fort – auch und gerade für jüngere Generationen. Für mich persönlich waren und sind prägend die vielen Begegnungen und Gespräche, die ich bis zuletzt mit ihr führen durfte. Von 1990 bis 2002 war ich in ihrem Göttinger Wahlkampfteam. Tolle und spannende Zeiten. Seit ich 2013 dann Bundestagsabgeordneter wurde, hat sie mich in meiner Arbeit und im Wahlkampf unterstützt.Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine große Christdemokratin, eine überzeugte Demokratin und eine beeindruckende Persönlichkeit. Ihr politisches Wirken und ihr Engagement für Göttingen und unser Land werden unvergessen bleiben. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und allen, die ihr nahestanden."