Die Entscheidung ist gefallen: Simon Schlonsog (CDU) wird neuer Bürgermeister der Stadt Herzberg am Harz. Der 36-Jährige hat die Stichwahl am Sonntag deutlich für sich entschieden. Nachdem alle 17 Schnellmeldungen eingegangen waren, entfielen nach dem vorläufigen Ergebnis 2.786 Stimmen beziehungsweise 63,02 Prozent auf Schlonsog. Amtsinhaber Christopher Wagner kam auf 1.635 Stimmen und 36,98 Prozent. Damit beträgt der Abstand zwischen beiden Bewerbern 1.151 Stimmen beziehungsweise gut 26 Prozentpunkte.
Von den 10.046 Wahlberechtigten beteiligten sich 4.457 an der Stichwahl. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 44,37 Prozent. 36 Stimmen waren ungültig, 4.421 Stimmen gültig. Da alle 17 Ergebnisse vorliegen, steht der Ausgang der Bürgermeisterwahl fest; formal handelt es sich zunächst um das vorläufige Ergebnis.
Für Herzberg bedeutet das einen Wechsel an der Spitze des Rathauses. Christopher Wagner, der die Stadt seit November 2021 führt, konnte sein Amt nicht verteidigen. Simon Schlonsog hatte bereits im ersten Wahlgang am 13. September knapp vorne gelegen. Damals erreichte der CDU-Kandidat 35,9 Prozent, Wagner folgte mit 33,2 Prozent. Die beiden weiteren Bewerber Bernd Schröder und Olaf Töpperwien kamen auf 19,2 beziehungsweise 11,7 Prozent. Weil niemand die erforderliche absolute Mehrheit erreichte, wurde die Stichwahl notwendig.
Bemerkenswert ist dabei, wie deutlich sich das Kräfteverhältnis zwischen den beiden Wahlgängen verschoben hat. Im ersten Durchgang trennten Schlonsog und Wagner lediglich 2,7 Prozentpunkte. Zwei Wochen später beträgt der Abstand 26,04 Prozentpunkte. Wie sich insbesondere die Wählerinnen und Wähler der beiden ausgeschiedenen Kandidaten entschieden haben, lässt sich aus dem Ergebnis allerdings nicht ablesen.
Simon Schlonsog: Vom Ortsbrandmeister ins Rathaus
Für Simon Schlonsog ist der Wahlerfolg zugleich der Sprung in ein hauptamtliches kommunales Spitzenamt. Die CDU Herzberg hatte ihn bereits im September 2025 als Bürgermeisterkandidaten aufgestellt. Damals war Schlonsog 36 Jahre alt und bereits als Ortsbrandmeister der Kernstadt Herzberg tätig. Seine Partei stellte im Wahlkampf insbesondere seine Verwurzelung in Herzberg und seine Führungserfahrung bei der Freiwilligen Feuerwehr heraus.
Schlonsog ist in Herzberg vor allem durch sein Engagement bei der Feuerwehr bekannt. Als Ortsbrandmeister trägt er Verantwortung für eine Wehr, die regelmäßig mit zahlreichen Brand- und Hilfeleistungseinsätzen konfrontiert ist. Bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Anfang 2025 berichtete er beispielsweise über 146 Einsätze im vorhergehenden Jahr. Zu seinen Aufgaben gehörten dort auch Themen wie Personalplanung, Fahrzeugbeschaffung und die Planungen für ein neues Feuerwehrhaus. 2025 wurde er zudem zum Oberbrandmeister befördert.
Die CDU hatte Schlonsogs Kandidatur unter dem Wahlkampfmotto „Herzberg hat es besser verdient“ gestartet und dabei einen politischen Wechsel an der Rathausspitze angestrebt. Die Partei beschrieb ihren Kandidaten bei dessen Nominierung als lokal verwurzelt und verwies ausdrücklich auf seine Führungserfahrung aus der Feuerwehr.
Schon der erste Wahlgang zeigte, dass diese Kandidatur auf beträchtlichen Zuspruch stieß: Schlonsog ging mit 35,9 Prozent als Stimmenstärkster aus dem Viererfeld hervor. In der Stichwahl konnte er seinen Stimmenanteil nun auf mehr als 63 Prozent steigern.
Christopher Wagner verliert nach fünf Jahren das Bürgermeisteramt
Für Christopher Wagner endet dagegen eine Amtszeit, die im Herbst 2021 begonnen hatte. Wagner war damals als parteiloser, von der SPD unterstützter Kandidat angetreten und hatte sich in der Stichwahl mit 53,1 Prozent gegen den parteilosen Sascha Schwerin durchgesetzt. Vor seinem Wechsel ins Herzberger Rathaus war der Diplom-Verwaltungswirt als Verwaltungsleiter der Gemeinde Walkenried tätig.
Damit brachte Wagner einen deutlich verwaltungsbezogeneren beruflichen Hintergrund in den damaligen Wahlkampf ein. Seit dem 1. November 2021 ist er Bürgermeister von Herzberg. In seiner Amtszeit spielten unter anderem Verwaltungsmodernisierung, Stadtentwicklung, erneuerbare Energien, Infrastruktur und die Entwicklung der Innenstadt eine Rolle. Die SPD verweist in ihrer Bilanz unter anderem auf Photovoltaikprojekte, neue Baugebiete, Maßnahmen zur Verkehrssicherheit und das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“. Diese Bilanz ist allerdings die Darstellung der ihn unterstützenden SPD und entsprechend als politische Selbstdarstellung einzuordnen.
Auch bei der Wahl 2026 wurde der parteilose Wagner wieder von der SPD getragen. Der Ortsverein nominierte ihn im Oktober 2025 erneut und begründete dies insbesondere mit seiner Erfahrung als Verwaltungschef und seiner Kenntnis der kommunalen Verwaltung.
Im ersten Wahlgang lag Wagner mit seinen 33,2 Prozent noch dicht hinter Schlonsog. Für den Amtsinhaber bestand damit durchaus die Möglichkeit, das Rennen in der Stichwahl noch zu drehen. Dazu kam es jedoch nicht. Stattdessen vergrößerte sich der Abstand deutlich.
Deutlich niedrigere Beteiligung als im ersten Wahlgang
Auffällig ist außerdem die Wahlbeteiligung. Während sich beim ersten Wahlgang am 13. September rund 61,9 Prozent der Wahlberechtigten beteiligten, waren es bei der Stichwahl nach dem vorläufigen Ergebnis nur noch 44,37 Prozent. Damit sank die Beteiligung innerhalb von zwei Wochen um rund 17,5 Prozentpunkte.
Trotz der geringeren Beteiligung fällt das Ergebnis eindeutig aus. Schlonsog erhielt knapp zwei Drittel der gültigen Stimmen und liegt damit deutlich vor dem bisherigen Amtsinhaber. Aus dem knappen Zweikampf des ersten Wahlgangs ist in der Stichwahl ein klarer Stimmenabstand geworden.