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Richtfest für neue Feuerwehrtechnische Zentrale: 43 Millionen Euro für Sicherheit und Ausbildung

Richtfest beim Neubau der Feuerwehrtechnischen Zentrale FTZ in Ebergötzen mit zahlreichen honorierten Feuerwehrleuten. Fotos Bernard Marks
Richtfest beim Neubau der Feuerwehrtechnischen Zentrale FTZ in Ebergötzen mit zahlreichen honorierten Feuerwehrleuten. Fotos Bernard Marks

Ebergötzen. Wo noch vor wenigen Monaten vor allem Erdarbeiten das Bild bestimmten, sind inzwischen die Dimensionen des Großprojekts deutlich zu erkennen: An der B 27 in Ebergötzen entsteht die neue Feuerwehrtechnische Zentrale (FTZ) des Landkreises Göttingen. Am Freitag, 18. September, feierte der Landkreis gemeinsam mit zahlreichen Gästen, Feuerwehrangehörigen, Planern und Handwerkern Richtfest. Mit dem Neubau soll bis 2028 ein moderner Mittelpunkt für Feuerwehr, Ausbildung und Bevölkerungsschutz entstehen. Unter den Gästen waren neben zahlreichen Ehrenkreisbrandmeistern, Feuerwehrkameradinnen und -kameraden sowie Mitarbeitenden der Feuerwehrtechnischen Zentrale auch Vertreter aus Politik und Kommunen. Mit dabei waren unter anderem die Bundestagsabgeordnete Frauke Heiligenstadt (SPD), der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Dr. Thorsten Heinze sowie Harm Adam, der für die CDU als Landratskandidat antritt sowie MdL Gerd Hujahn (SPD).  

„Wir investieren hier in unsere Sicherheit“

Erste Kreisrätin Doreen Fragel, die das Richtfest gemeinsam mit Marlies Dornieden, Dezernentin für Öffentliche Sicherheit und Ordnung, begleitete, erinnerte an den langen Weg bis zu diesem sichtbaren Meilenstein. Bereits 2019 hatten die Überlegungen für eine neue Feuerwehrtechnische Zentrale begonnen. „Wir bauen hier keine Immobilie nur der Immobilie wegen, sondern wir investieren hier in unsere Sicherheit für den Landkreis Göttingen“, machte Fragel deutlich. Dass nun bereits Richtfest gefeiert werden könne, sei auch das Ergebnis jahrelanger Planung und enger Zusammenarbeit. Von Anfang an seien die Feuerwehrleute selbst intensiv beteiligt worden. In zahlreichen Workshops wurde ein sogenanntes Raumbuch erarbeitet: Was brauchen die Einsatzkräfte tatsächlich? Welche Arbeitsabläufe müssen berücksichtigt werden? Welche Räume und technischen Voraussetzungen sind notwendig? Auch bei der Architektur ging der Landkreis einen besonderen Weg. In einem Wettbewerb wurden 16 Entwürfe bewertet, bevor die Entscheidung für die heutige Planung fiel. Funktionalität habe dabei eine entscheidende Rolle gespielt. 


Ein Bauwerk mit beeindruckenden Dimensionen

Wie groß die neue FTZ tatsächlich wird, machte Marlies Dornieden deutlich. Auf einem rund 19.000 Quadratmeter großen Gelände entstehen etwa 4.100 Quadratmeter Gebäudefläche. Der Gebäudekomplex misst in der Länge rund 125 Meter, an seiner breitesten Stelle etwa 65 Meter. Auch die Investitionssumme zeigt die Dimension des Vorhabens: Rund 43 Millionen Euro investiert der Landkreis in den neuen Standort. Dornieden zeigte sich beim Blick auf die inzwischen weit fortgeschrittene Baustelle beeindruckt. Nach sieben Jahren Planung sei nun sichtbar, was hier entstehe. Gleichzeitig berichtete sie von positiven Signalen aus der Bauleitung: „Wir liegen gut im Zeitplan.“ Und, fügte sie augenzwinkernd mit Blick auf ihre Zuständigkeit für die Finanzen hinzu, wenn ihr gesagt werde, man liege auch gut im Finanzplan, beruhige sie das noch mehr. 

Mehr als eine Werkstatt für die Feuerwehr

Die neue Feuerwehrtechnische Zentrale soll weit mehr werden als ein Ort für die Wartung von Fahrzeugen und Ausrüstung. In Ebergötzen entsteht ein zentraler Standort für Technik, Logistik, Ausbildung und Bevölkerungsschutz. Geplant sind unter anderem vier moderne Schulungsräume sowie Bereiche für Lagerung, Schlauchpflege und Atemschutz. Auch die fachgerechte Reinigung von Ausrüstung wird eine wichtige Rolle spielen. Dafür ist eine sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung vorgesehen: Ausrüstung, die belastet aus einem Einsatz zurückkommt, wird konsequent von bereits gereinigtem Material getrennt. Im Obergeschoss soll zudem die Technische Einsatzleitung ihren Platz bekommen. Bei größeren Schadenslagen können von Ebergötzen aus künftig Einsätze koordiniert werden. Auch das Bevölkerungsschutzdepot soll an den Standort verlagert werden.  Für Dornieden ist die neue Zentrale deshalb auch eine Investition in die Zukunft des ehrenamtlich getragenen Brandschutzes. Ausbildung müsse so organisiert werden, dass sie sich mit Beruf und Familie vereinbaren lasse. Nicht für jeden Feuerwehrangehörigen sei es möglich, mehrere Tage für einen Lehrgang an einen weiter entfernten Ausbildungsort zu fahren. In Ebergötzen sollen künftig auch Lehrgänge am Abend oder am Wochenende möglich sein.


Üben wie im echten Einsatz

Welche Möglichkeiten das Gelände den Feuerwehren künftig bieten soll, erläuterte Kreisbrandmeister Carsten Krügener. „Bevölkerungsschutz wird in den aktuellen Zeiten immer wichtiger und immer herausfordernder“, sagte er beim Richtfest. Ein besonderer Baustein wird das rund 1.200 Quadratmeter große Übungsgelände. Dort soll unter anderem ein eigenes Übungshaus entstehen, in dem Einsatzkräfte unterschiedlichste Situationen möglichst realitätsnah trainieren können. Vorgesehen sind Brandsimulationen, Türöffnungen und Übungen zum Schlauchmanagement in Treppenhäusern. Feuerwehrleute sollen sich abseilen können, außerdem werden verschiedene Anleiterpunkte für Drehleitern geschaffen. Selbst ein vollgelaufener Keller kann simuliert werden: Ein Bereich des Übungshauses lässt sich gezielt mit Wasser fluten. Das Gebäude soll dabei von unterschiedlichen Seiten verschiedene Einsatzsituationen darstellen – auf einer Seite beispielsweise ein Einfamilienhaus, auf einer anderen ein Ladengeschäft. Auch Verkehrsunfälle sollen auf dem Außengelände trainiert werden können. 

Nachhaltigkeit spielt beim Neubau große Rolle

Auch energetisch und ökologisch setzt der Landkreis bei der FTZ Akzente. Nach Angaben von Doreen Fragel wird auf den Dachflächen eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 255 Kilowatt installiert. Hinzu kommen ein Gründach, eine große Regenwasserzisterne sowie ein unterirdischer Eisspeicher, der zur Wärmeversorgung des Gebäudes beitragen soll. Große Teile des Gebäudes entstehen in Holzbauweise. Für den Neubau ist eine Zertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) in Silber vorgesehen. 

Einzug für Frühjahr 2028 geplant

Nach dem Richtfest geht es nun an Gebäudehülle und Innenausbau. Fenster, Türen und Fassade sollen folgen, das Gebäude winterfest gemacht werden. Anschließend wartet noch ein umfangreicher Innenausbau. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Die Fertigstellung ist für das erste Quartal 2028 vorgesehen, im Frühjahr 2028 soll die neue Feuerwehrtechnische Zentrale ihren Betrieb aufnehmen. Doreen Fragel nutzte das Richtfest deshalb auch, um den beteiligten Handwerkerinnen und Handwerkern, Planern, Architekten, Feuerwehrangehörigen und Mitarbeitenden des Landkreises zu danken. Ihr Wunsch für die kommenden Monate: dass die Arbeiten weiterhin reibungslos und vor allem unfallfrei verlaufen.

Mit dem Richtfest ist nun ein weiterer sichtbarer Schritt geschafft. Bis zum Einzug bleibt noch viel Arbeit. Doch schon jetzt lässt sich an der B 27 erahnen, was dort entsteht: ein neuer zentraler Ort für die Feuerwehren des Landkreises Göttingen – für Ausbildung und Technik, für den Bevölkerungsschutz und nicht zuletzt für die Menschen, die im Ernstfall rund um die Uhr für andere da sind.