Die Ärztekammer Niedersachsen drängt auf einen politischen Kurswechsel in der Cannabis-Politik. In einer Resolution hat die Kammerversammlung am 14. März mit großer Mehrheit die Rücknahme der Cannabis-Legalisierung gefordert. Im Zentrum der Kritik steht vor allem der aus Sicht der Delegierten unzureichende Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Sorge um Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene
Nach Auffassung der Ärztekammer hat sich knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten des Cannabisgesetzes bestätigt, was Kritiker schon vor der Legalisierung befürchtet hatten: Der Konsum berge erhebliche Risiken für die neurokognitive Entwicklung junger Menschen und könne zudem psychische Erkrankungen begünstigen. Gerade Kinder und Jugendliche seien gegenüber psychoaktiven Substanzen besonders verletzlich. Auch eine gesellschaftliche Normalisierung des Konsums werde als problematisch angesehen, weil sie gesundheitliche Prävention erschwere.
Schutzregeln im Alltag kaum durchsetzbar
Zwar sieht das Cannabisgesetz Verbotszonen vor, etwa in der Nähe von Schulen, in Fußgängerzonen oder an öffentlichen Sportstätten. Aus Sicht der Ärztekammer reicht das jedoch nicht aus. Die Delegierten halten diese Regeln für praktisch kaum kontrollierbar und damit im Alltag weitgehend wirkungslos. Der vorgesehene Kinder- und Jugendschutz sei deshalb nicht nur unzureichend, sondern faktisch gescheitert.
Der stellvertretende Präsident der Ärztekammer Niedersachsen, Dr. med. Thomas Buck, formuliert die Kritik besonders deutlich. Wenn man die Verbotszonen auf urbane Räume projiziere, sei Cannabiskonsum an vielen Orten zwar formal untersagt, im Alltag aber dennoch allgegenwärtig und kaum kontrollierbar. Aus seiner Sicht ist der im Gesetz angelegte Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht leistbar. Deshalb fordert die Ärztekammer die Rücknahme der Legalisierung.
Verweis auf Studien und gesundheitliche Risiken
Unterstützt wird diese Position auch durch Hinweise auf aktuelle Daten und Studien. Dr. med. Katharina-Juliane Kirsche, Delegierte der Kammerversammlung und Vorsitzende der Bezirksstelle Lüneburg, verweist auf die Drogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Diese zeige einen deutlichen Anstieg des Cannabiskonsums bei den 18- bis 25-Jährigen. Aus Sicht der Ärztekammer ist das besonders alarmierend, weil auch bei jungen Erwachsenen langfristige gesundheitliche Schäden befürchtet werden.
Kirsche verweist außerdem auf neuere internationale Studien, die regelmäßigen Cannabiskonsum mit verminderter Fruchtbarkeit sowie mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte in Verbindung bringen. Die Ärztekammer nutzt diese Verweise, um ihre grundsätzliche Warnung vor einer Verharmlosung des Konsums zu untermauern.
Was die Resolution konkret fordert
In ihrer Resolution verlangt die Kammerversammlung der Ärztekammer Niedersachsen, dass sich die Bundesärztekammer weiterhin und mit Nachdruck für eine zügige Aufhebung der Cannabis-Legalisierung außerhalb des Betäubungsmittelgesetzes einsetzt. Darüber hinaus fordert sie, Schutz- und Präventionsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche unverzüglich auszubauen und die Aufklärung über die Gefahren des Cannabiskonsums zu intensivieren. Auch auf dem kommenden Deutschen Ärztetag sollen sich die Delegierten aus Niedersachsen mit derselben Stoßrichtung in die Debatte einbringen.
(Quelle: Niedersächsische Ärztekammer / https://www.aekn.de/)