Kaum sind die letzten Sonnencremes im Schrank verschwunden, stehen schon die Schokoladennikoläuse im Supermarkt. Während wir gedanklich noch irgendwo zwischen Herbstspaziergang und Kürbissuppe stecken, rückt Weihnachten unaufhaltsam näher. Höchste Zeit für ein paar kuriose Weihnachtsfakten, erstaunliche Traditionen und die Erkenntnis: Wir sind mit unserem alljährlichen Festtagschaos nicht allein.
Es beginnt meistens ganz harmlos. Man geht Anfang Oktober einkaufen, braucht eigentlich nur Milch, Brot und vielleicht ein bisschen Käse – und plötzlich schaut einen ein Schokoladenweihnachtsmann an. Direkt daneben liegen Spekulatius, Dominosteine und Lebkuchen. Der innere Kalender schlägt Alarm: War nicht gerade noch Sommer?
Tatsächlich sind es am 19. Oktober nur noch 66 Tage bis Heiligabend. Das klingt zunächst nach reichlich Zeit. Bis man bedenkt, dass dazwischen noch ungefähr 47-mal die Frage „Was essen wir heute?“, diverse Termine und die alljährliche Diskussion liegen, wer eigentlich dieses Jahr die Weihnachtsgans zubereitet.
Weihnachtswissen zum Angeben beim Plätzchenessen
Wer glaubt, Weihnachten sei schon immer genauso gefeiert worden wie heute, irrt gewaltig. Beispielsweise verrät die Bibel überhaupt nicht, an welchem Tag Jesus geboren wurde. Der 25. Dezember wurde erst Jahrhunderte später als christlicher Festtag etabliert. Streng genommen könnte die Geburtstagsparty also auch an einem ganz anderen Tag stattfinden.
Und wussten Sie, dass der Adventskalender früher ganz ohne Schokolade auskommen musste? 1908 brachte der Münchner Verleger Gerhard Lang einen gedruckten Weihnachtskalender heraus. Statt süßer Überraschungen gab es Bilder zum Ausschneiden und Aufkleben. Für heutige Kinder, die hinter ihren Türchen Spielzeug, Kosmetik oder Pralinen finden, vermutlich eine ziemlich harte Vorstellung.
Auch musikalisch hält Weihnachten Überraschungen bereit. Der Welthit „Jingle Bells“ hieß ursprünglich „The One Horse Open Sleigh“ und wurde 1857 veröffentlicht. Ein Weihnachtslied war er zunächst gar nicht. Dafür schaffte er es 1965 sogar ins Weltall: Die Astronauten der Gemini-6-Mission spielten das Lied mit Mundharmonika und Glöckchen. Damit war „Jingle Bells“ das erste Musikstück, das aus dem Weltraum übertragen wurde.
Die fünf Phasen des Weihnachtswahnsinns
Mindestens genauso faszinierend wie die Geschichte des Weihnachtsfestes ist das Verhalten der Menschen in den Wochen davor. Das folgt nämlich jedes Jahr einem erstaunlich ähnlichen Muster.
Phase 1: Die Gelassenheit. „Dieses Jahr schenken wir uns wirklich nichts.“ Ein Satz, der statistisch nicht überprüft, aber gefühlt in neun von zehn Familien spätestens am 23. Dezember seine Gültigkeit verliert.
Phase 2: Die Selbstüberschätzung. „Dieses Jahr backe ich alle Plätzchen selbst.“ Drei Stunden später sieht die Küche aus wie nach einer Mehlstaubexplosion, und die ersten Vanillekipferl haben die Konsistenz von Dachziegeln.
Phase 3: Die Geschenkepanik. Am 15. Dezember fällt plötzlich auf, dass Oma, Tante, Schwager und die beste Freundin durchaus auch zur Familie gehören. Und alle freuen sich über eine Kleinigkeit. Nur bitte nichts Unpersönliches.
Phase 4: Die große Logistik. Wer besucht wen? Wann gibt es Essen? Wo steht der Baum? Und warum funktionieren von den vier Lichterketten ausgerechnet die drei nicht, die man gestern noch getestet hat?
Phase 5: Die Weihnachtswunder. Am Ende sitzen doch alle zusammen, essen zu viel, lachen über dieselben alten Geschichten und stellen fest: Irgendwie war es wieder schön.
Übrigens: Weihnachten ist international ziemlich verrückt
Während bei uns Kartoffelsalat, Würstchen, Gänsebraten oder Raclette auf den Tisch kommen, gehören in Japan für viele Familien frittierte Hähnchenteile zum Weihnachtsfest. In Island sorgen gleich 13 Weihnachtsgesellen für Aufregung. Und in Katalonien gibt es einen Weihnachtsbrauch rund um einen bemalten Holzklotz, der nach liebevoller Pflege und einem gemeinsamen Lied Geschenke hervorbringt. Dagegen wirkt unser traditioneller Streit um den Christbaumständer fast schon langweilig.
Und plötzlich ist Heiligabend
Vielleicht liegt der eigentliche Weihnachtszauber ja gar nicht in perfekt verpackten Geschenken, selbst gebackenen 17 Sorten Plätzchen oder dem makellos geschmückten Baum. Vielleicht liegt er in den Dingen, die sich nicht planen lassen: dem schief gesungenen Weihnachtslied, dem missglückten Nachtisch, dem spontanen Besuch oder dem herzhaften Lachen am Familientisch.
Bis dahin gilt: Noch ist Zeit. Für Geschenkideen, Plätzchenrezepte, Vorfreude und gute Vorsätze.
Und falls Sie gerade denken, dass Mitte Oktober wirklich noch viel zu früh für Weihnachten ist: Fragen Sie einfach am 23. Dezember noch einmal nach. Dann sehen wir weiter.