Nachdem der Ausstellungsbetrieb des Kunsthauses Göttingen mit dessen Insolvenzanmeldung Ende 2024 eingestellt werden musste, regt sich jetzt wieder neues Leben im Galeriegebäude. In einem Pressegespräch am Mittwoch, 5. März 2025, verkündete Göttingens Oberbürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Kunsthaus Göttingen gGmbH Petra Broistedt den Neustart der Galerie im Kunstquartier KuQua zum 27. März 2025. Dieser wird in gemeinsamer Anstrengung mit dem Verleger Gerd Steidl und dem Geschäftsführer des Literaturherbstes, Johannes-Peter Herberhold erfolgen. Im Laufe des Jahres sind Blockbuster-Ausstellungen mit hochkarätigen Künstler*innen geplant.
„Der Neustart war nicht selbstverständlich“, unterstrich Petra Broistedt anlässlich einer Pressekonferenz im Kunsthaus am 5. März 2025. „Wir mussten eine pragmatische und unkonventionelle Lösung finden. Das ist uns gelungen“, so Broistedt. Ein sensationelles Jahresprogramm sei entstanden, ein Highlight folge auf das nächste, betonte Broistedt. Die Stadtverwaltung hat gemeinsam mit dem neuen Geschäftsführer Kai Osterhorn sowie Gerhard Steidl und Johannes-Peter Herberhold intensiv daran gearbeitet, dem Weiterbetrieb des Kunsthauses eine neue Chance zu geben. Ihren Vorschlägen ist der Aufsichtsrat nach intensiver Debatte gefolgt. Auch der nichtöffentlich tagende Verwaltungsausschuss hat dem Vorhaben nach eingehender Beratung zugestimmt. Der Personalstamm im Kunsthaus wurde auf ein Minimum reduziert, Steidl und Herberhold engagieren sich ehrenamtlich. Kai Osterhorn, im Hauptberuf Leiter des Seniorenzentrums Göttingen, konnte nebenamtlich als Geschäftsführer gewonnen werden.
„Wort und Bild werden sich im Kunsthaus Göttingen hervorragend ergänzen“, sagte Gerhard Steidl, die Neuausrichtung werde ganz unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. „Wir werden das Publikum mit unserem Angebot begeistern“, ist Steidl überzeugt. „Das Haus soll zu einer wichtigen Einrichtung in Göttingen werden, das gezeigte Programm wird dazu beitragen“, betont Johannes-Peter Herberhold, ein besseres Jahresprogramm könne man sich nicht wünschen.
Hochkarätiges Ausstellungsprogramm
Für das laufende Jahr ist ein hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt worden. Arbeiten weltbekannter Künstler*innen wie Juergen Teller, Bryan Adams und Jim Dine werden im Kunsthaus Göttingen zu sehen sein. Den Auftakt macht der Fotograf Juergen Teller mit „Ausschwitz Birkenau“. Seine Werke sind von Donnerstag, 27. März 2025, bis Sonntag, 1. Juni 2025 zu sehen. Gleichfalls mit Fotografien wird Bryan Adams unter dem Titel „Shot by Adams“ von Donnerstag, 4. September 2025, bis Samstag, 1. November 2025, in der Galerie ausgestellt. Jim Dine präsentiert Bilder und Skulpturen. „Two Hammers asleep, the print dream“ ist von Donnerstag, 6. November 2025, bis Ende Januar 2026 vorgesehen. Das vollständige Ausstellungsprogramm wird in Kürze unter www.kunsthaus-goettingen.de abrufbar sein.
Eintrittspreise
Der Eintritt in das Kunsthaus wird zukünftig 8 Euro betragen, Ermäßigungen für Auszubildende und Studierende sowie Teilnehmende am Freiwilligen Sozialen Jahr sind ebenso vorgesehen wie für Gruppen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren erhalten freien Eintritt. Am letzten Donnerstag im Monat ist der Besuch des Kunsthauses Göttingen kostenlos möglich.
KuQua – Ein Viertel wird ein Ganzes
In der Göttinger Altstadt zwischen Düsterer Straße, Nikolaikirchhof, Nikolai- und Turmstraße, ist das Kunstquartier – kurz KuQua - entstanden. Seit jeher vom Handwerk geprägt, hat sich das Viertel in den vergangenen Jahren zur kreativen Keimzelle entwickelt. Neben dem international tätigen Verlag für Literatur und Fotografie von Gerhard Steidl, dem Atelier des amerikanischen Künstlers Jim Dine, einer Werkstatt für handwerkliche Bilderrahmenherstellung, eine Buchbinderei und einer Galerie sind es die kleinen Kreativen, die dem Quartier mit ihren Cafés, Kunst- und Trödelläden einen ganz individuellen Charme verleihen. „Das Kunsthaus ist das Herzstück dieses Quartiers: Ein Galeriegebäude für zeitgenössische Kunst von nationalem und internationalem Rang. Mit ihm wollen wir Göttingen auch zukünftig dank eines innovativen, hochattraktiven Kulturangebots weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar machen“, so Petra Broistedt.
Spenden sind willkommen
Der bisherige Hauptsponsor hatte das Kunsthaus Göttingen in Höhe eines jährlichen sechsstelligen Betrags unterstützt und dadurch das Eintrittsgeld übernommen, der Vertrag ist durch die Insolvenz allerdings ausgelaufen. Broistedt: „Wir sind in guten Gesprächen, dass das Sponsoring im kommenden Jahr wieder aufgenommen wird.“
Wer das Kunsthaus Göttingen mit einer Spende unterstützen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Das Spendenkonto der Kunsthaus Göttingen gGmbH lautet DE17 8207 0024 0269 4230 45. Steuerlich absetzbare Spendenquittungen können ausgestellt werden.