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"Unsere Demokratie ist in Gefahr“ - CORRECTIV-Journalist Marcus Bensmann in Göttingen

Marcus Bensmann bei während seines Vortrages im Nachbarschaftszentrum Holtensener Berg. Fotos Marks
Marcus Bensmann bei während seines Vortrages im Nachbarschaftszentrum Holtensener Berg. Fotos Marks

Göttingen. „Unsere Demokratie ist in Gefahr“ – diese eindringliche Botschaft stand im Mittelpunkt der gut besuchten Veranstaltung „Fakten statt Fakes – Recherche, Aufdeckung und die Macht der Wahrheit“ am 28. Oktober im Nachbarschaftszentrum Holtensener Berg. Zu Gast war Marcus Bensmann, Senior Reporter des unabhängigen Recherchezentrums CORRECTIV.

Freimut Hennies, Vorsitzender des gastgebenden Vereins, und Siegfried Lieske, Vorsitzender der Bürgerstiftung Göttingen, begrüßten die Besucherinnen und Besucher. Demokratie sei keine Selbstverständlichkeit. Sie brauche Menschen, die Verantwortung übernehmen, Haltung zeigen und sich für ein respektvolles Miteinander einsetzen. Veranstaltungen wie diese seien wichtig, um über gesellschaftliche Entwicklungen aufzuklären und das demokratische Bewusstsein zu stärken – so der Tenor des Abends.


Freimut Hennies, Vorsitzender des gastgebenden Vereins, und Siegfried Lieske, Vorsitzender der Bürgerstiftung Göttingen und Marcus Bensmann. 

Einblicke in die Enthüllungen von CORRECTIV

Im Mittelpunkt standen die Recherchen von CORRECTIV zum rechtsextremen Treffen im November 2023 im Landhaus Adlon bei Potsdam. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderem AfD-Vertreter und Personen aus dem CDU-Umfeld. Im Januar 2024 machte CORRECTIV die Zusammenkunft mit dem Bericht „Geheimplan gegen Deutschland“ öffentlich. Die Veröffentlichung sorgte bundesweit für Aufsehen und mobilisierte Hunderttausende Menschen zu Demonstrationen gegen Rechtsextremismus.

Bensmann erläuterte die Bedeutung investigativer Recherche und die Herausforderungen, politische Netzwerke, verdeckte Verbindungen und gezielte Desinformation öffentlich sichtbar zu machen. Seine journalistische Haltung hatte er bereits bei einem früheren Vortrag mit den Worten beschrieben: „Wir warten nicht, bis uns ein Stick zugespielt wird.“ Der erfahrene Journalist berichtete über seine langjährige Arbeit zu Machtmissbrauch, Korruption und rechtsextremen Strukturen. Rund 20 Jahre recherchierte er in Zentralasien, im Kaukasus und in internationalen Krisenregionen. Seit 2014 arbeitet er für CORRECTIV.

Wenn Sprache zur politischen Waffe wird

Ein zentrales Thema war der Begriff „Remigration“, mit dem rechtsextreme Akteure laut Bensmann „völkische Forderungen“ verbinden. So propagiere etwa Martin Sellner aus dem rechtsextremen Umfeld der AfD das Konzept der „Remigration“ – ausdrücklich auch in Bezug auf deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund. Ein solches Konzept verstoße nach Bensmanns Darstellung unter Verweis auf verwaltungsgerichtliche Entscheidungen gegen die Menschenwürde und das Grundgesetz.

Deutsche Staatsangehörige dürften nicht in „Fremde“ und „Eigene“, in „Assimilierte“ und „Nichtassimilierte“ eingeteilt werden, um sie anschließend durch staatliche Maßnahmen wie „Anpassungsdruck“ und „maßgeschneiderte Gesetze“ im Rahmen eines „Jahrzehnteprojekts“ außer Landes zu drängen. CORRECTIV schilderte in seiner Recherche, wie Sellner entsprechende Vorstellungen im Rahmen eines „Masterplans“ bei dem Treffen in Potsdam vorgestellt haben soll.

„Wir sind nicht die Zuschauer im Sessel“

Bensmanns Appell an die gesellschaftliche Verantwortung lässt sich mit einer Aussage aus einem früheren Vortrag in Düsseldorf zusammenfassen: „Wir sind nicht die Zuschauer im Sessel. Wir nehmen daran teil.“ Die Botschaft passte zum Anliegen der Göttinger Veranstaltung: Demokratie lebt von einer kritischen Öffentlichkeit, unabhängigen Medien und Menschen, die sich aktiv für demokratische Grundwerte einsetzen. Auch Siegfried Lieske betonte die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen. Gerade in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierung seien politische Bildung, fundierte Informationen und persönliche Begegnungen unverzichtbar. Der Abend machte deutlich: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie braucht eine wachsame Zivilgesellschaft, unabhängigen Journalismus und Menschen, die sich gegen Hass, Ausgrenzung und die Verbreitung von Falschinformationen engagieren.

Gemeinsam für Demokratie und Zusammenhalt

Der gute Besuch zeigte das Interesse an den Hintergründen investigativer Recherchen und an der Frage, wie Bürgerinnen und Bürger Desinformation erkennen können. Die Veranstaltung wurde durch den Faktenfonds für Bürgerstiftungen gefördert. Beteiligt waren das Nachbarschaftszentrum Holtensener Berg, das Forum Göttingen Nord-West und die AG Lebendige Demokratie.