Göttingen. Mitreißende Musik und eine A-Formation voller Energie: Bei der Saisonpräsentation in der Göttinger Sparkassen-Arena zeigte das Tanzsportteam des ASC 1846, wie viel Leidenschaft in seinem Sport steckt. Für die Aufsteiger war der Auftritt zugleich die Generalprobe für die Deutsche Meisterschaft in Nürnberg.
Die Musik setzt ein, die Tanzpaare gleiten über das Parkett. Eben noch bilden sie eine geschlossene Linie, Sekunden später lösen sie sich und finden in einer neuen Formation zusammen. Schnelle Schritte, elegante Drehungen, präzise Bildwechsel – die A-Formation des ASC 1846 Göttingen zieht die Blicke auf sich. Auf den Rängen verfolgen rund 500 Zuschauer gebannt die Choreografie zur Musik von „Postmodern Jukebox“. Applaus brandet auf. Die Sparkassen-Arena ist an diesem Samstagnachmittag nicht nur eine Sporthalle, sondern eine Bühne voller Rhythmus, Eleganz und Emotionen.
Der Auftritt ist der Höhepunkt einer Präsentation, bei der sich die Göttinger Tanzteams ihrem Publikum vorstellen. Zuvor zeigen das B-Team und die neu gegründete Solo-Latin-Formation Ausschnitte ihrer aktuellen Programme. Doch die besondere Aufmerksamkeit gilt der A-Mannschaft: Nach dem Aufstieg in die erste Bundesliga will sie sich nun auch in der höchsten deutschen Spielklasse behaupten.
Das Programm ist den Fans bereits aus der vergangenen Saison bekannt. Doch wer genauer hinsah, konnte zahlreiche Veränderungen entdecken. „Die Choreografie ist sehr stark angepasst worden“, erklärte Markus Zimmermann, Inhaber der Göttinger ADTV-Tanzschule Krebs und maßgeblicher Wegbereiter des Formationstanzsports beim ASC. Sie sei mit schwierigeren Elementen versehen worden, um den gestiegenen Anforderungen der ersten Bundesliga gerecht zu werden. Auch das Training wurde intensiviert. Der grundsätzliche Aufbau sei allerdings schon in der zweiten Liga darauf ausgerichtet gewesen, den Sprung in die höchste Liga Deutschlands bewältigen zu können. An der Spitze des Trainerteams stehen weiterhin Mieke Zimmermann und Anton Shukow. Weitere Fachtrainer unterstützen die Mannschaft in unterschiedlichen Bereichen. Auch personell setzt der ASC auf Kontinuität. Zwar gab es einige Wechsel, doch im Kern steht dasselbe Team auf dem Parkett, das den Aufstieg geschafft hat. „Wir versuchen das auch mit dem gleichen Team dann weiter zu stemmen“, erklärte Zimmermann.

Am 7. November wartet mit der Deutschen Meisterschaft in Nürnberg die erste große Bewährungsprobe. Anders als in vielen anderen Sportarten wird der deutsche Meister im Formationstanzsport bereits vor der eigentlichen Bundesligasaison ermittelt, die von Januar bis April läuft. Die Erwartungen an die junge Göttinger Mannschaft sind realistisch. „Als Aufsteiger ist immer das erste Ziel Klassenerhalt“, betonte Zimmermann. Die Meisterschaft sei zunächst „erstmal eine Bestandsaufnahme“. In Nürnberg wolle sich das Team möglichst gut präsentieren und die Zwischenrunde erreichen.
Dass der Formationstanzsport in Göttingen einen besonderen Stellenwert besitzt, zeigte sich auch auf den Rängen. Viele Besucher waren über die Tanzschule Krebs oder den ASC mit dem Sport in Berührung gekommen, manche reisen sogar von außerhalb an. „Wir haben es in Göttingen geschafft, im Formationstanzbereich eine große Fangemeinde aufzubauen“, sagte Zimmermann. Besonders bemerkenswert sei, dass das Interesse trotz des zwischenzeitlichen Abstiegs und des anschließenden Neuaufbaus nicht nachgelassen habe. „Da sind wir auch sehr froh drüber und sehr dankbar.“ Dieser Rückhalt ist für die Mannschaft nicht nur emotional wichtig. Mit dem Aufstieg in die erste Bundesliga wachsen auch die finanziellen Herausforderungen. Vor allem die Reisen zu den Wettbewerben und die Kosten rund um den Trainings- und Wettkampfbetrieb belasten das Budget. „Wir brauchen Geld, das ist tatsächlich der Punkt“, machte Zimmermann deutlich.
Dennoch verzichtete der Verein bei der Präsentation bewusst auf Eintrittsgeld. Ursprünglich sei die Veranstaltung als Vorführung für Eltern und Angehörige entstanden und über die Jahre immer größer geworden. Diesen offenen Charakter wolle man bewahren. Stattdessen bat das Tanzsportteam um freiwillige Spenden und hofft auf weitere Sponsoren, die den Weg durch die erste Bundesliga unterstützen. Nach den Auftritten nutzten die Besucher beim „Meet and Greet“ die Gelegenheit, mit den Tänzerinnen und Tänzern ins Gespräch zu kommen. So wurde aus der sportlichen Präsentation zugleich ein gemeinschaftlicher Nachmittag, der zeigte, wie eng Mannschaft und Publikum miteinander verbunden sind.
Für die Göttinger A-Formation beginnt nun die entscheidende Phase der Saisonvorbereitung. Die Präsentation in der Sparkassen-Arena machte deutlich, mit wie viel Energie, Ehrgeiz und Zusammenhalt das junge Team seine neue Herausforderung angeht – getragen von einem Publikum, das auch abseits des Parketts hinter ihm steht.