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Artikelfoto Symbolbild Pixabay

Der Wolf im Werra-Meißner-Kreis

Landrätin Rathgeber fordert Land auf, sich der Verantwortung zu stellen

Das Thema Wolf bewegt die Menschen im Werra-Meißner-Kreis zunehmend. Landrätin Nicole Rathgeber hat, auch als Vorsitzende des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land, Kontakt mit dem Land Hessen aufgenommen und um die Durchführung von Informationsveranstaltungen zum Thema Wolf im Werra-Meißner-Kreis gebeten. Das Land Hessen ist für das Wolfmanagement verantwortlich und hat eigens dafür einen Wolfsmanagementplan aufgestellt und ein Wolfszentrum beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) eingerichtet.

Die offizielle Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf weist für Deutschland zum Jahresende 2022 insgesamt 161 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare und 21 territoriale Einzelwölfe aus.

Je nach angenommener Rudelgröße liegt die Zahl der Wölfe in Deutschland aktuell zwischen 1000 und 1500 Exemplaren. In Hessen liegen zum Ende des vergangen Jahres 172 behördlich anerkannte Wolfsnachweise vor. Die Hälfte davon stammt aus Nordhessen, 50 anerkannte Wolfsnachweise davon sind aus dem Werra-Meißner-Kreis. Mittlerweile hat sich bei Waldkappel ein Wolfsrudel angesiedelt, das im Jahr 2022 drei Jungtiere hatte.

Die Zahl der Nutztierrisse in Deutschland ist mit dem wachsenden Wolfsbestand stetig angestiegen. 3374 Nutztiere wurden nach Angaben der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes im Jahr 2021 von Wölfen gerissen. (Zahlen für 2022 liegen aktuell nicht vor). Dabei sind Schafe und Ziegen mit rund 85% am stärksten betroffen.

Der Wolf ist durch die Berner Konvention, die FFH-Richtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Die offenen Fragen im Werra-Meißner-Kreis sind vielfältig:

Mensch:

Auf was müssen sich Bevölkerung und Touristen im Werra-Meißner-Kreis einstellen? Wird es häufiger zu Wolfsbegegnungen kommen? Mit Sorge wird die in anderen Bundesländern festgestellte Gewöhnung des Wolfes an den Menschen beobachtet. Anscheinend nehmen Wölfe den Menschen immer weniger als Gefahr wahr.

Naturschutz und Landwirtschaft:

Der Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, der den gesamten Werra-Meißner-Kreis umfasst, weist eine außergewöhnliche Artenvielfalt auf. Kein anderer Landkreis in Hessen hat eine derart hohe Dichte an Europäischen Schutzgebieten wie der Werra-Meißner-Kreis. Darüber hinaus hat die Bundesrepublik Deutschland den Hotspot Nr. 17 der Biodiversität im Werra-Meißner-Kreis ausgewiesen. Es gibt lediglich 30 solcher Gebiete in Deutschland. Ein nicht unwesentlicher Anteil der Schutzgebietsflächen liegt im Offenland und ist zum Erhalt der Biodiversität auf die Beweidung durch Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde sowie Heumahd angewiesen. Viele dort lebende Tier- und Pflanzenarten sind durch Bundesrecht und europäisches Recht, genauso wie der Wolf, streng geschützt und drohen auszusterben, sollten sich die Weidetierhalter aus den Gebieten zurückziehen. Gleichzeitig ist das Land gegenüber der EU verpflichtet, bestimmte Lebensräume mit ihren Tieren und Pflanzen zu erhalten. Gelingt das nicht, drohen dem Land Strafzahlungen an die EU. Der Wolf kommt für Weidetierhalter, bei wirtschaftlich ohnehin schwierigen Rahmenbedingungen und langen Arbeitszeiten, noch als Belastung „on top“.

Bedacht werden muss auch, dass die blütenbunten Wiesen und Weideflächen im Geo-Naturpark, gerade in Kombination mit den Premiumwanderwegen und mit der Regionalvermarktung authentischer Lebensmittel, touristisch für den Werra-Meißner-Kreis von Bedeutung sind. Wie in ganz Deutschland, so ist auch in Nordhessen der Wunsch und die Nachfrage der Verbraucher nach nachhaltig, artgerecht und regional in Weidewirtschaft produziertem Fleisch groß. Es bestehen Bedenken, dass die Weidewirtschaft weiter zurückgehen wird und Tiere stattdessen nur noch in Ställen gehalten werden können.

Wildbestände und Jagd:

Wölfe ernähren sich zum Großteil von Wildtieren. Rothirsch (Rotwild), Rehe, Wildschweine und auch das bei uns wild lebende Mufflon, sind neben anderen Wildtieren Beute des Wolfes. Besonders dem Rotwild muss hier sicherlich Beachtung geschenkt werden. Rotwild darf nur in amtlich festgelegten Rotwildgebieten leben. Das Rotwild lebt damit auf festgelegten „Inseln“ in Deutschland. Verlassen die Tiere ein solches Gebiet sind sie zum Abschuss freigegeben. Der Einfluss des Wolfes, der ja nicht auf bestimmte Gebiete begrenzt wird, auf die Rotwildbestände muss hier im Auge behalten werden.

Auch die vielfältigen Belange der Jagd müssen beleuchtet werden, bis hin zur Sorge der Jagdgenossenschaften im Hinblick auf die Verpachtung der Jagdbezirke. Die Präsenz des Wolfes könnte das Pachtinteresse und die Pachtpreise deutlich absenken. (Pressemitteilung des WMK)