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Artikelfoto Symbolbild Pixabay

Digitale Dorfgasthäuser – Beratung schafft Perspektiven

Seit Anfang Februar beraten unabhängige Experten Gastwirte und -wirtinnen in ganz Hessen in Sachen Digitalisierung – von der Webpräsenz bis hin zu digitalen Prozessabläufen.

Im Auftrag des hessischen Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums fanden inzwischen rund 3.600 Beratungsstunden statt.

„Nun wurde bereits der 500ste Betrieb beraten. „Das zeigt, dass wir mit unserem Angebot ins Schwarze getroffen haben. Die individuelle Beratung berücksichtigt die unterschiedlichen Anforderungen der Betriebe und schafft so Entlastung und Perspektiven, insbesondere für kleinere Gastronomiebetriebe im ländlichen Raum“, erklärte Ministerin Priska Hinz, die für den ländlichen Raum zuständig ist. Das Angebot stellt für die nicht zuletzt durch Corona stark betroffene Branche eine Unterstützung zur rechten Zeit dar. „Die Digitalisierungsberatung greift die Aspekte auf, die im Rahmen unserer Landtourismusstrategie als Chancen und Herausforderungen für unsere Dorfgasthäuser identifiziert wurden. Gleichzeitig besteht eine gute Verbindung zum Gaststättensonderprogramm der Landesregierung, weil sich hierüber auch erforderliche Investitionen im Bereich Digitalisierung fördern lassen“, so Ministerin Hinz

500. Beratung in Gitti´s Berggasthof

Die 500. Beratung durch die Weiterbildungsinitiative „GastroDigital-Hessen“ fand in Gitti’s Berggasthof in Greifenstein statt. Vor mehr als 25 Jahren ist die gelernte Restaurant-Fachfrau Brigitte Knetsch aus einem kleinen Dorf in Tirol ins beschauliche Greifenstein im Westerwald gekommen. Seit 20 Jahren ist sie mit einer traditionellen deutsch-österreichischen Küche als Gastronomin selbstständig. Unverändert sind in dieser langen Zeit nur ihre Speisen nach alten Familienrezepten geblieben. „Ich habe ein gutes Team, mit dem ich gemeinsam die Corona-Zeit überstanden habe. Aber wir brauchen dringend Verstärkung. Mittlerweile stehe ich ausschließlich in der Küche, ich finde keine qualifizierten Köche. Auch im Service sind wir nicht genug und ich musste einen zweiten Schließtag einführen, obwohl wir genug Kundschaft hätten. Und mit der erhöhten Inflation ist die Preiskalkulation im Moment eine echte Herausforderung. Ich erhoffe mir, dass die Digitalisierung unsere Arbeit erleichtert und wir wieder mehr Zeit für unsere Gäste haben“, so Brigitte Knetsch.

„Oft sind es Kleinigkeiten, die schon viel helfen. Bei Brigitte Knetsch haben wir eine digitale Tischreservierung eingeführt und arbeiten jetzt an den Social-Media-Aktivitäten, um das Team zu entlasten“, berichtet Rene Kaplick, Leiter des mobilen Beratungsteams.

Kleinere Gastronomiebetriebe im ländlichen Raum werden erreicht

Der zeitintensive Einsatz der Digital-Berater zahlt sich aus. Das bestätigen die Zahlen aus den ersten Projekt-Evaluierungen. „Unser Ziel ist es, auch kleinere Gastronomiebetriebe im ländlichen Raum zu erreichen, das haben wir bisher gut erfüllen können. Die Rückmeldungen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind zu 97% positiv“, so Kaplick. Der Zwischenstand einer Befragung unter den teilnehmenden Betrieben zeigt, dass über 75% der Gastronominnen und Gastronomen die Beratung als „sehr hilfreich“ bewerten. Ihr Beratungsbedarf sei vollkommen getroffen worden und sie könnten das Erlernte direkt in die Praxis umsetzen.

Dem stimmt auch Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Hessen, zu: „Der DEHOGA Hessen unterstützt durch eine breite Kommunikation in die Betriebe der hessischen Gastronomie das Programm der Digitalisierungsberatung. Eine große Herausforderung für die Branche als Ganzes wird in den kommenden Jahren sein, Modernisierung und Digitalisierung von Abläufen voranzubringen.“ Das Fehlen von Fachkräften führe schon heute vielerorts dazu, dass das Potential eines Betriebes nicht optimal ausgeschöpft werden kann, schildert Julius Wagner weiter. Gastgewerbliche Unternehmen müssten zwingend die Automatisierung von immer wiederkehrenden Prozessen beschleunigen. Wettbewerbsvorteile würden sich zukünftig immer stärker über die Effizienz interner Prozesse definieren. Wichtig sei es aus Sicht des DEHOGA Hessen, den Betrieben im Anschluss an das Programm eine niederschwellige Unterstützung im Bereich der Digitalisierung anzubieten, um die Zukunftsfähigkeit gerade der kleinteiligen Gastronomie zu sichern.

Hintergrund zum Projekt GastroDigital-Hessen:

„Das Programm "Gastro-Digital Hessen" unterstützt Betriebe bei der Digitalisierung, wenn das Know-how oder die Zeit zur Einarbeitung fehlt. Dafür ist es durch ein jederzeit abrufbares Lernportal und persönliche Beratungsbesuche an die Belange der Gastronomie angepasst. Gut digital aufgestellte Betriebe finden schneller Antworten auf aktuelle Herausforderungen, wie beispielsweise den Fachkräftemangel", so Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg und Federführer für den Bereich Tourismus der hessischen Industrie- und Handelskammern. 

Seit Anfang Februar bietet die HA Hessen Agentur GmbH (Abt. Hessen Tourismus) im Rahmen einer Digitalisierungsoffensive das vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium geförderte Beratungs- und Weiterbildungsprogramm an. Die Initiative umfasst sowohl individuelle Vor-Ort-Beratungen als auch Online-Schulungen und ist für die Betriebe kostenfrei.

Interessierte Gastronomiebetriebe aus Hessen können sich weiterhin über die Webseite

www.gastrodigital-hessen.de für die Teilnahme registrieren.