Werbung
Artikelfoto Privat

„Istanbul baut nicht auf Null auf “

Mirja Ramola setzt Istanbul-Konvention im Landkreis um

Die Gleichstellungsstelle des Landkreises Göttingen hat Verstärkung erhalten: Mirja Ramola ergänzt das Team und übernimmt fortan eine der niedersachsenweit neu geschaffenen Koordinationsstellen zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.


Die 1988 im Landkreis Goslar geborene Kulturanthropologin und Religionswissenschaftlerin hat schnell gewusst, dass Kommunikation ihr Gebiet ist. „Während des Studiums in Kassel und Göttingen hat sich bei mir eine Vorliebe für Jugend und Erwachsenenbildung entwickelt, was mich über den Bereich Personalentwicklung und Frauenberatung auch in die Wirtschaft geführt hat.“ Mirja Ramola sagt: „Die Arbeit mit und für Frauen ist spannend und notwendig gleichermaßen.“

Gewaltschutz- und Präventionsarbeit im ländlichen Raum 

Mit Istanbul-Konvention wird eine Übereinkunft des Europarates bezeichnet, die sich das Verhüten und Bekämpfen von sowohl Gewalt gegen Frauen als auch häusliche Gewalt auf die Fahne geschrieben hat. „Mit der Konvention aus dem Jahr 2011 sehe ich sehr große Chancen, auch hier im ländlichen Raum die Gewaltschutz- und Präventionsarbeit zu stärken, auszubauen und den Bedarf zu ermitteln.“ Eine Herausforderung sieht Ramola in den teils weiten Wegen zu Beratungsstellen auf dem Land. Abschwächen will sie dieses Problem mit einem stärkeren Vernetzen von bestehenden Angeboten wie Frauennotrufen, Frauenhäusern sowie Frauenzimmern und einem Kinderschutzzentrum, das im Entstehen ist. Angebote gebe es. „Istanbul“, sagt sie, „baut nicht auf Null auf.“

Gewalt: Ausdruck von Ungleichheit und Diskriminierung 

Nach Überzeugung von Ramola sei es nicht nur wichtig, Beratungs- und Schutzangebote bereitzustellen. Es gehe auch um Prävention. Und die beste Prävention sei eine gleichberechtigte Gesellschaft, die ein Bewusstsein dafür hat, dass Gewalt gegen Frauen Ausdruck von Ungleichheit und geschlechterbezogener Diskriminierung ist. Aber was bedeutet Gewalt genau? „Mit dem Begriff wird zuallererst körperliche Gewalt verstanden. Aber es ist vielfältiger.“ Mirja Ramola lenkt das Augenmerk hier auch auf psychische und ökonomische Gewalt. Zudem habe Gewalt nicht nur analoge, sondern auch digitale Ausprägungen, die etwa in sozialen Netzwerken zu Tage treten können. Gewalt sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Der Kern der 2018 von Deutschland ratifizierten Istanbul-Konvention sei, dass Gewalt auf ungleichen Machtverhältnissen beruhe. „Dieses Machtgefälle ist gefährlich“, sagt Ramola. Die Konvention sei ein Werk das verpflichtet, an der Stelle gute Arbeit zu leisten. hwg