Die Wahllokale sind geschlossen: Im Werra-Meißner-Kreis fand die turnusmäßige Kommunalwahl statt. Mit dem Urnengang wird nicht nur ein neuer Kreistag bestimmt; parallel werden in den 16 Städten und Gemeinden des Landkreises auch die kommunalen Parlamente neu gewählt, teils außerdem Orts- und Ausländerbeiräte. In Eschwege, Sontra und Waldkappel kommen zusätzlich Bürgermeisterwahlen hinzu. Rund 82.000 Wahlberechtigte waren im Kreis zur Stimmabgabe aufgerufen.
Im Zentrum des politischen Interesses steht der Kreistag des Werra-Meißner-Kreises. Um dessen 51 Sitze bewerben sich sieben Listen mit insgesamt 253 Kandidatinnen und Kandidaten. Auf dem Stimmzettel stehen allerdings nur 245 Namen, weil nach hessischem Kommunalwahlrecht pro Liste höchstens so viele Bewerber abgedruckt werden, wie Sitze zu vergeben sind. Angeführt werden die Listen von Lena Arnoldt für die CDU, Berthold Hartmann für die AfD, Thomas Eckhardt für die SPD, Christiane Weiler für Bündnis 90/Die Grünen, Ekkehard Götting für die FDP, Nicole Rathgeber für die Freien Wähler und Silvia Hable für Die Linke.
Der Blick zurück zeigt, warum dieser Wahlabend politisch spannend werden dürfte. Bei der Kreistagswahl 2021 wurde die SPD mit 32,79 Prozent und 20 Sitzen stärkste Kraft vor der CDU mit 30,41 Prozent und 19 Sitzen. Es folgten die Grünen mit 13,21 Prozent und 8 Sitzen, die Freien Wähler mit 10,32 Prozent und 6 Sitzen, die AfD mit 5,21 Prozent und 3 Sitzen, Die Linke mit 4,06 Prozent und 3 Sitzen sowie die FDP mit 4,00 Prozent und 2 Sitzen. Damals ging es allerdings noch um 61 Mandate; diesmal wird ein auf 51 Sitze verkleinerter Kreistag gewählt. Das bedeutet: Für den Vergleich mit 2021 sind Prozentwerte und mögliche Mehrheiten wichtiger als der bloße Blick auf alte und neue Sitzanzahlen. (Quelle: https://www.werra-meissner-kreis.de/fileadmin/user_upload/20210326_Bekanntmachung_endgueltiges_Wahlergebnis.pdf)
Hinzu kommt eine Besonderheit des hessischen Kommunalwahlrechts, die für die Einordnung am Abend entscheidend ist. Wählerinnen und Wähler haben so viele Stimmen, wie Sitze zu vergeben sind — im Kreistag also 51 —, sie dürfen diese kumulieren und panaschieren oder auch einfach eine komplette Liste ankreuzen. Eine Fünf-Prozent-Hürde gibt es nicht. Deshalb können auch kleinere Parteien oder Wählergruppen mit vergleichsweise schmalen Ergebnissen Mandate holen und damit bei der Mehrheitsbildung wichtig werden.
Für den Wahlabend heißt das vor allem: Frühe Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen. Nach den hessischen Regeln werden in der Wahlnacht zunächst nur die Stimmzettel ausgewertet, auf denen lediglich ein Listenkreuz gesetzt wurde. Stimmzettel mit Kumulieren und Panaschieren werden erst in den folgenden Tagen vollständig erfasst. Das Trendergebnis zeigt also früh eine Richtung, ist aber noch kein vollständiges Bild der politischen Kräfteverhältnisse. Im Werra-Meißner-Kreis sollen erste Kreistrends noch am Abend veröffentlicht werden; das vorläufige Ergebnis wird erst nach weiterer Auszählung erwartet.